Mittwoch, 2. April 1980
Der erste Gegner steht fest
TV Cloppenburg heißt der erste „Stolperstein“
(mth). Der erste Gegner des schleswig-holsteinischen Landesmeisters der weiblichen Handball-A-Jugend – VfL Oldesloe – für die Norddeutsche Meisterschaft steht jetzt fest. Die Truppe von Trainer Ulli Meyer, die sich in der letzten Woche bekanntlich nach einem dramatischen Spiel gegen MTV Herzhorn wieder den Landestitel holte, trifft am 12. April um 16.30 Uhr auf den Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg.
Die Cloppenburger Mädchen schalteten den TuS Bergen, im letzten Jahr einer der härtesten Gegner des VfL auf dem Weg zur Norddeutschen und später der Deutschen Meisterschaft, aus. Das Hinspiel findet in Cloppenburg statt. Eine Woche später(20. April, 14 Uhr) steigt dann das Rückspiel in der Stormarnhalle.
Der zweite Finalteilnehmer wird parallel dazu zwischen Werder Bremen und TuS Alstertal Hamburg ermittelt. Wir sind einmal gespannt, ob die Oldesloer Truppe in diesem Jahr ähnlich erfolgreich wie 1979 diese Spiele überstehen kann.
Zum Spiel in Cloppenburg fährt der VfL wieder mit einem großen Reisebus (Abfahrt am Spieltag um 11.45 Uhr von der Jugendherberge. Für etwa 40 Schlachtenbummler besteht die Möglichkeit, die Fahrt mitzumachen. Der Fahrpreis beträgt 10 Mark. Interessenten sollten sich möglichst umgehend bei Ulli Meyer melden. Spätester Anmeldetermin ist der kommende Mittwoch (19 Uhr), wo in der Stormarnhalle Gelegenheit besteht, die Anmeldung vorzunehmen. Dieser Termin ist gleichzeitig letzter Zeitpunkt für die Entrichtung des Fahrpreises.
STORMARNER TAGEBLATT vom 2.4.1980
Montag, 7. April 1980
Oldesloer Handball-Mädchen im Turnier knapp geschlagen
(Ju). Im Endspiel mußten sich die Handball-Mädchen der A-Jugend des VfL Oldesloe beim internationalen Oster-Hallenturnier des TuS Wandsbek knapp geschlagen geben.
Trotzdem hatten Katrin und Meike Schäfer, Martina Pusch, Susanne Paetz, Anja Müller, Anja Bünger und Wiebke Rickert mit ihrem Betreuer Ulli Meyer viel Spaß. Dafür nämlich sorgte das Rahmenprogramm der Veranstaltung.
Dazu gehörten ein Dom-Bummel, der Fischmarkt, eine Hafenrundfahrt, ein Alsterspaziergang sowie eine Tanzveranstaltung.
Ihr erstes Spiel gewannen die Oldesloerinnen nach einem 0:1-Rückstand gegen den SC Condor mit 12:3. Die zweite Mannschaft des TuS Wandsbek 81 wurde mit 12:5 und der DSC Hanseat mit 13:1 Toren glatt geschlagen.
Im Endspiel standen die VfL-Mädchen der ersten Mannschaft von TuS Wandsbek gegenüber. Da die Stormamerinnen nur mit sieben Mädchen angetreten waren, war ihnen mittlerweile der große Kräfteverschleiß anzumerken. Zur Pause lagen sie mit 3:4 zurück.
In der zweiten Spielhälfte führte die Oldesloer Mannschaft zwar noch mit 6:5, aber am Ende reichte es doch nicht. Das Spiel mußte mit 7 :8 verloren gegeben werden.
LÜBECKER NACHRICHTEN vom 11.4.1980
Freitag, 11. April 1980
Jetzt geht's los: VfL-Mädchen greifen wieder zum Nordtitel
Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg erster Gegner des VfL
(mth). Nach der kurzen Pause über die Osterfeiertage wird es für die weibliche A-Jugend der Handballer des VfL Oldesloe am Wochenende wieder ernst. Am Sonnabend steigt für den schleswig-holsteinischen Landesmeister und amtierenden Deutschen Meister die erste Begegnung in der Vorrunde zur Norddeutschen Meisterschaft. Erster Gegner der Truppe von Trainer Ulli Meyer ist der Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg, der sich in seinem Landesverband knapp vor dem vorjährigen Gegner des VfL, TuS Bergen, durchsetzen konnte. Die Oldesloer Mädchen haben dabei den Vorteil, zuerst in der Halle des Gegners antreten zu können. Eine Woche später steigt dann das Rückspiel in der Stormarnhalle.
Anders als im letzten Jahr, als die jeweiligen Gegner des VfL vor den ersten Partien jeweils „Bücher mit sieben Siegeln“ für den Coach Ulli Meyer waren, tappt man dieses Mal nicht so ganz im Dunkeln. Am Buß- und Bettag 1979 ist man auf einem Turnier in Bremervörde im Endspiel schon auf den gleichen Gegner gestoßen.
Die Stormarner Mädchen hatten seinerzeit im Endspiel knapp gewonnen, aber dieses Spiel will man beim Deutschen Meister nicht als Maßstab nehmen. Schließlich dauerte das Spiel in Bremervörde nur zwei mal zehn Minuten, während morgen und in der nächsten Woche selbstverständlich über die Distanz von zwei mal 25 Minuten gespielt wird.
Ulli Meyer und seine Mannschaft sahen die Cloppenburger Mädchen als sehr gefährlichen und ernsthaften Gegner auf dem Weg zu einer eventuellen Verteidigung des Nordmeistertitels. Sie haben noch gut in Erinnerung, wie schwer im letzten Jahr die Aufgabe gegen TuS Bergen war, als die Oldesloerinnen auswärts zwar gewannen. im Rückspiel in der Stormarnhalle dann aber lange bangen mußten, ehe die unvermeidbare Niederlage so knapp ausfiel, daß man sich trotzdem für das Finale qualifizieren konnte.
Für das Spiel in Cloppenburg, das am Sonnabend um 16.30 Uhr in der TVC-Sporthalle beginnt, hat sich der VfL sehr gewissenhaft vorbereitet. Am Mittwoch und Donnerstag wurde jeweils intensiv trainiert, so daß die Mannschaft topfit in die wichtige Begegnung gehen kann.
Personelle Probleme hat dabei der Coach der Oldesloer nicht. Alle Stammspielerinnen werden die Reise zum Niedersachsen-Meister mitmachen. Zur Vorbereitung auf dieses Spiel gehörte im übrigen über die Osterfeiertage die Teilnahme an einem Turnier von TuS Wandsbek 81. Obwohl dabei mit Andrea Güldenpfennig, Antje Schütt, Andrea Struppek und Martina Ivens vier wichtige Spielerinnen fehlten, gelangten die Oldesloerinnen bis ins Endspiel, das sie dann allerdings mit 7:8 gegen den Gastgeber verloren.
Wie von uns schon in der letzten Woche berichtet, fährt der VfL. nach Cloppenburg mit einem großen Reisebus, um auch Schlachtenbummlern die Mitreise zu ermöglichen. Einige Plätze sind dabei noch zu vergeben. Interessenten sollten sich möglichst umgehend bei Ulli Meyer melden. Abfahrt ist am Sonnabend um 11.45 Uhr an der Jugendherberge. Mit der Rückkehr nach Bad Oldesloe wird gegen 21 Uhr gerechnet. Der Fahrpreis beträgt zehn Mark.
STORMARNER TAGEBLATT vom 11.4.1980
Sonnabend, 12. April 1980
TV Cloppenburg – VfL Oldesloe wJA 9:17 (4:4)
Nordfinale fast schon perfekt
VfL-Coach Ulli Meyer „linkte“ den Gegner
TV Cloppenburg wurde mit taktischen Varianten auf's Kreuz gelegt
(mth). Die weibliche A-Jugend-Handballmannschaft des VfL Oldesloe ist auf dem besten Wege, wie im Vorjahr in das Finale um die Norddeutsche Meisterschaft einzuziehen. Im Halbfinal-Hinspiel bei Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg holten sich die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer einen überzeugenden 17:9-Erfolg, der für das Rückspiel am kommenden Sonntag um 14 Uhr in der Stormarnhalle eigentlich einen sicheren Rückhalt geben müßte.
In Cloppenburg begann der amtierende Deutsche Meister unglaublich nervös. Die Niedersachsen, die auch nicht gerade die Ruhigsten waren, hatten dennoch den besseren Start und gingen mit 3:1 in Führung und dem VfL gelang der Ausgleich durch zwei verwandelte Siebenmeter. Die erneute 4:3-Führung der Gastgeberinnen beantwortete dann Anja Müller mit einem Tor zum 4:4-Ausgleich.
In den restlichen zehn Minuten bis zum Seitenwechsel boten beide Mannschaften dann keine überzeugende Leistung. Fehlwürfe und überflüssige Ballverluste – hüben wie drüben – waren an der Tagesordnung und ein weiterer Treffer fiel bis zur Pause nicht. Die Cloppenburger Mädchen erlaubten sich dabei sogar den Luxus, einen Siebenmeter neben das Tor zu placieren.
Die Halbzeitpause wurde dann vom VfL-Trainer zu einer völligen Umstrukturierung seiner Mannschaft genutzt. Ulli Meyer nahm seine beiden Kreisläuferinnen Andrea Struppek und Wiebke Rickert aus dem Team, und schickte dafür die Linkshänderinnen Susanne Paetz und Meike Schäfer an den Kreis. Zusätzlich löste er die 8:0-Deckung vor dem eigenen Torraum auf und ließ Andrea Güldenpfennig vor der Deckung agieren.
Beide Maßnahmen trafen den Niedersachsen-Meister offensichtlich völlig unerwartet.
Nachdem die Cloppenburger Mädchen noch einmal mit 5:4 in Führung gegangen waren, bestimmte der VfL ganz eindeutig das Spielgeschehen und warf acht Treffer hintereinander. Die beiden angesprochenen Maßnahmen bewährten sich dabei vorzüglich. Die beiden Linkshänderinnen warfen die nächsten drei Tore – insgesamt kamen sie auf zusammen fünf Tore – und Andrea Güldenpfennig fing drei, vier gegnerische Angriffe vor dem Torraum ab und konnte sie selbst beziehungsweise im Verbund mit Martina Ivens zu erfolgreichen Tempogegenstößen nutzen.
Nach dem 12:5-Zwischenstand ließ der VfL die Angelegenheit dann ruhiger angehen. Sie bauten deswegen aber keineswegs ab, sondern „schaukelten“ einen sicheren 17:9-Endstand nach Hause.
Erfolgreichste Torwerferin bei den Oldesloer Mädchen, die von den 30 mitgereisten Schlachtenbummlern begeistert gefeiert und zuvor lautstark unterstützt wurden, war einmal mehr Andrea Güldenpfennig mit fünf Treffern. Susanne Paetz kann ihr mit vier Toren aber sehr nahe. Antje Schütt (3), Martina Ivens (2), Anja Müller, Meike Schäfer und Andrea Struppek teilten sich den Rest der Treffer. Martina Pusch, Kathrin Schäfer, Wiebke Rickert und Anja Bünger wurden außerdem noch eingesetzt.
Geht man davon aus, daß der VfL das Rückspiel am kommenden Sonntag in eigener Halle unbeschadet übersteht, so zeichnet sich schon jetzt auch der Endspielpartner ab. Hamburgs Meister TuS Alstertal gewann beim Bremer Meister SV Werder mit 14:8 ähnlich sicher wie die Oldesloerinnen und sollte das Finale ebenfalls schon so gut wie erreicht haben.
Wie im Vorjahr wird auch das Endspiel in zwei Partien ausgetragen. Der endgültige Sieger des Spiels VfL gegen Cloppenburg hätte dann am 26./27. April Heimrecht, ehe dann eine Woche später im Rückspiel – vermutlich also in Hamburg – die letzte Entscheidung über die Vergabe des Nordtitels fiele. …
STORMARNER TAGEBLATT vom 15.4.1980
Freitag, 18. April 1980
Sonntag 14 Uhr Stormarnhalle:
Die VfL-Handballmädchen wollen die Tür zum Nordfinale endgültig aufstoßen
Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg wird trotz des Hinspielsieges nicht unterschätzt
(mth). In der abgeschlossenen Meisterschaftssaison der schleswig-holsteinischen Oberliga hat die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe ihre vielen Anhänger oft auf die Folter gespannt, ehe sie nach einem wahren Handball-Krimi in einem Entscheidungsspiel gegen den MTV Herzhorn schließlich den Landesmeistertitel erfolgreich verteidigte.
In der Vorrunde zur Norddeutschen Meisterschaft wollen die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer ihre eigenen Nerven und die ihrer Fans offensichtlich nicht so strapazieren. Mit einem 17:9-Sieg am letzten Sonnabend beim Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg haben sich die Oldesloerinnen für das Rückspiel am Sonntag um 14 Uhr in der Stormarnhalle ein beruhigendes Polster angelegt, das ihnen eigentlich schon jetzt die erneute Teilnahme an den Finalspielen um den Nordtitel garantieren sollte.
Als reine Formsache allerdings betrachtet man im Lager des VfL das Rückspiel gegen die Cloppenburger Mädchen keineswegs. Zu gut erinnert man sich noch an das letzte Jahr, als es ebenfalls im Hinspiel der Vorrunde um die Norddeutsche Meisterschaft beim damaligen Niedersachsen-Meister TuS Bergen einen Sieg mit vier Toren Vorsprung gegeben hatte, der vor eigenem Publikum dann nur mit Mühe und Not zum Einzug ins Endspiel reichte. Ein Tor fehlte den Bergener Mädchen seinerzeit nur, um den VfL auf seinem Erfolgsweg, der dann ja später im Gewinn der Deutschen Meisterschaft gipfelte, zu stoppen.
Ernst genommen wird der Niedersachsen-Meister von Trainer Ulli Meyer also auch für das Rückspiel. Der VfL-Coach hat auch in dieser Woche mit seiner Truppe gewissenhaft trainiert und wird sicher aus dem Hinspiel die richtigen Rückschlüsse gezogen haben. In Cloppenburg war das Spiel ja nicht zuletzt „auf der Bank“ gewonnen worden, als nach mäßiger erster Halbzeit eine totale Umstellung der Mannschaft den sicheren Sieg brachte.
Auf eben diese taktischen Manöver – Ulli Meyer schickte zwei Linkshänderinnen (Susanne Paetz und Meike Schäfer) an den Kreis und ließ Andrea Güldenpfennig vor der eigenen Deckung agieren – wird man sich auf Cloppenburger Seite im Laufe der Woche sicher besser eingestellt haben, und zudem kann der Niedersachsen-Meister in Bad Oldesloe unbeschwert aufspielen, denn zu verlieren hat er ohnehin nichts mehr.
Bei aller Vorsicht aus den eben genannten Gründen allerdings herrscht im Oldesloer Lager natürlich dennoch große Zuversicht vor. Die Truppe um Mannschaftsführerin Antje Schütt kann in Bestbesetzung auflaufen, und wenn sich in ihr Spiel keine Überheblichkeit einschleichen sollte, wozu wahrlich kein Anlaß besteht, sollte die Finalteilnahme keine Utopie sein.
Wie schon im letzten Jahr bei den Spielen um die Norddeutsche und Deutsche Meisterschaft sind auch für die Begegnung am Sonntag Karten lediglich an der Tageskasse zu haben. Einlaßbeginn ist bereits um 12 Uhr. Um den Fans, die nach dem Motto „Rechtzeitiges Kommen sichert die besten Plätze!“ bei dem zu erwartenden Andrang schon so früh ihre Tribünenplätze einnehmen, die Wartezeit bis zum Spielbeginn zu verkürzen, ist ab 12.30 Uhr ein Vorspiel zwischen den Minimädchen-Mannschaften des VfL Oldesloe und des SV Rümpel vorgesehen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 18.4.1980
Sonntag, 20. April 1980
VfL Oldesloe wJA – TV Cloppenburg 25:16 (10:9)
Nordfinale wieder erreicht
Das Rückspiel gegen TV Cloppenburg war nur noch eine reine Formsache
Die VfL-Handballmädchen waren auch in der Stormarnhalle glatt erfolgreich
(mth). Wie im vergangenen Jahr steht die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe im Finale um die Norddeutsche Meisterschaft. Das Rückspiel vor gut 500 Zuschauern in der Stormarnhalle gegen den Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg war für die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer kaum mehr als eine Formsache. Mit einem Acht-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel im Rücken konnten die Oldesloer beruhigt aufspielen, auch wenn dieses nicht in allen Szenen, vornehmlich in der ersten Halbzeit, als es viele unnötige Ballverluste gab, unbedingt zu sehen war, und kamen zu einem sicheren 25:16 (10:9) -Erfolg.
Das Spiel begann für den VfL mit einem Auftakt nach Maß. Gleich der erste Angriff führte nach schöner Kombination durch Anja Müller zum 1:0 und in der vierten Minute konnte Andrea Güldenpfennig das 2:0 erzielen. Zusammen mit den acht Toren Vorsprung aus dem Hinspiel hatten die Stormarnerinnen damit einen beruhigenden Zehn-Tore-Vorsprung, der nun auch den letzten Pessimisten an ein erneutes Vordringen ins Nordfinale glauben lassen mußte und eigentlich die Mädchen um Mannschaftsführerin Antje Schütt zu souveräner Spielweise hätte bringen sollen.
Genau dieses trat aber in der ersten Halbzeit nicht ein. Der schleswig-holsteinische Meister war immer noch erstaunlich nervös und brachte überflüssige Hektik in sein Spiel. Die Oldesloer Truppe geriet zwar nie in Rückstand, mußte sich aber vielfach einen Gleichstand gefallen lassen und lag beim Seitenwechsel nur mit 10:9 in Front, obwohl sich die Cloppenburgerinnen doch als sehr hausbackener Gegner erwiesen.
Auch in den ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit war bei den Stormarner Mädchen noch Sand im Getriebe, aber als dann der 10:10-Ausgleich gefallen war, wurde es dem VfL doch zu bunt. Mit vier Toren hintereinander innerhalb von vier Minuten machte man deutlich, daß man auch in eigener Halle Herr der Lage bleiben wollte, und auch das folgende Gegentor von Sabine Fangmann, mit acht Treffern bei weitem erfolgreichste Spielerin des Niedersachsen-Meisters, wurde wieder mit vier VfL-Toren in schneller Reihenfolge beantwortet. Mit einem 18:11-Zwischenstand nach 37 Spielminuten war damit die Frage nach dem Sieger auch im Rückspiel ganz klar beantwortet, und die Truppe von Trainer Ulli Meyer, der nun nur noch selten seine Stammtruppe aufs Spielfeld schickte, konnte es sich leisten, die Angelegenheit nun etwas gelassener angehen zu lassen.
So konnten die Niedersachsen in den nächsten zehn Minuten bis zum 21:16 das Ergebnis etwas erträglicher gestalten, ehe der VfL in den letzten drei Minuten noch einmal Ernst machte und wiederum vier Tore hintereinander zum 25:16-Endstand hintereinander erzielte.
Angesichts des klaren Erfolges ist es müßig, das Spiel des VfL Oldesloe allzu kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die Mannschaft wird selbst wissen, daß dieser Gegner kein übermäßig schwerer Prüfstein war. In keinem Fall erreichten die Cloppenburger Mädchen den Leistungsstandard vom vorjährigen Niedersachsen-Meister TuS Bergen, der vor einem Jahr in der gleichen Runde der Norddeutschen Meisterschaft Andrea Hasenberg und Co. zu schaffen machte. Die Cloppenburger Mädchen spielten in Angriff und Abwehr eher hausbacken, und hatten mit Elberfeld und Wübbold zwei Torhüterinnen, die kaum einmal einen Wurf parierten.
Erfreulich war im VfL-Team auf jeden Fall, daß sich am Ende alle Feldspielerinnen – im Tor wechselten sich (je eine Halbzeit spielend) Martina Pusch und Kathrin Schäfer ab – in die Torschützenliste eintragen konnten. Erfolgreichste Torschützin war ausnahmsweise einmal nicht Andrea Güldenpfennig, die sich nach vier Toren im ersten Spielabschnitt merklich zurückhielt und es auf fünf Treffer brachte, sondern Anja Müller, die gleich sechsfach ins Schwarze traf.
Auf fünf Treffer wie Güldenpfennig kam auch Susanne Paetz, die sich damit ein schönes Geburtstagsgeschenk selbst machte. Anja Bünger, Martina Ivens, Meike Schäfer (je 2), Antje Schütt, Andrea Struppek und Wiebke Rickert erzielten die restlichen Oldesloer Treffer.
Die Begegnung unter der insgesamt guten Leitung von den Schiedsrichtern Hartz (Glückstadt) und Müller (Lübeck) war im übrigen ausgesprochen fair. Es gab zwar acht Siebenmeter (für beide Mannschaften je vier), die allesamt verwandelt wurden, aber die Unparteiischen brauchten nicht ein Zeitstrafe zu verhängen.
Endspielgegner der Oldesloer Mädchen ist erwartungsgemäß der Hamburger Meister TuS Alstertal. Die Hamburgerinnen gewannen das Rückspiel gegen Werder Bremen, nachdem sie schon zuvor an der Weser mit 14:8 erfolgreich gewesen waren. Das erste Endspiel steigt am kommenden Sonntag um 17 Uhr in der Stormarnhalle. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe des Nordtitels wird dann am 3. Mai um 19.30 Uhr in Hamburg in der Sporthalle Alstertal (Stadtteil Fuhlsbüttel) fallen.
In einem Vorspiel kamen die Minimädchen des VfL zu einem 10:7-Erfolg über den Rümpeler SV.
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.4.1980
Freitag, 25. April 1980
Sonntag erstes Nordfinale
Kein „Spaziergang“ für die VfL-Mädchen
Gegner TuS Alstertal verfügt über eine kampf- und spielstarke Truppe
(mth). Nach der erstaunlich leicht überstandenen Vorrunde um die Norddeutsche Meisterschaft – Niedersachsen-Meister TV Cloppenburg wurde in Hin- und Rückspiel jeweils deutlich distanziert – wird der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe keine Verschnaufpause gegönnt. Bereits am Sonntag steigt um 17 Uhr in der Stormarnhalle das erste Endspiel um den Nordtitel. Gegner der Oldesloerinnen ist der Hamburger Meister TuS Alstertal, der in der anderen Vorrunde gegen Bremens Meister SV Werder ähnlich klar wie der schleswig-holsteinische Meister die Oberhand behielt.
Ein „Spaziergang“ wie gegen den TV Cloppenburg steht den Oldesloer Mädchen dabei ganz gewiß nicht ins Haus. VfL-Trainer Ulli Meyer war am letzten Sonntag in Hamburg Augenzeuge des Rückspieles zwischen TuS Alstertal und SV Werder Bremen, das die Hamburgerinnen mit 9:7 für sich entschieden, nachdem sie schon das Hinspiel mit 14:8 an der Weser gewonnen hatten, und er war äußerst beeindruckt von der Spielstärke des kommenden Gegners.
TuS Alstertal, so der Coach des amtierenden Deutschen Meisters, verfügt über eine physisch ungemein starke Truppe, die von der ersten bis zur letzten Minute auf's Tempo drückt. Die größte Gefahr geht dabei von wurfstarken Rückraumspielerinnen aus. Auf sie wird die Deckung des VfL, die in den letzten Spielen ja nicht in allen Szenen sattelfest war, besonderes Augenmerk legen müssen.
Im übrigen ist man im Lager des VfL guter Dinge. Die Mannschaft hat in der Woche noch an zwei Tagen intensiv trainiert, und wer die gute Moral kennt, die in der Truppe herrscht, ist sich schon jetzt sicher, daß sie alles Erdenkliche versuchen wird, um nach dem Landesmeistertitel nun auch die Norddeutsche Meisterschaft erfolgreich zu verteidigen.
Probleme bei der Aufstellung hat sie dabei nicht. Alle Spielerinnen des Stammaufgebots sind gesund und munter und werden im Endspiel mit von der Partie sein. Die Mannschaft sollte sich dabei nicht unter zu hohen Erwartungsdruck von außen stellen lassen. Schon jetzt hat sie weit mehr erreicht, als man von ihr eigentlich erwarten konnte und sich als würdiger Nachfolger der letztjährigen Meisterschaft erwiesen.
Die Mannschaft, Trainer und Betreuer sind sich darüber im klaren, daß das Hinspiel in eigener Halle möglichst mit einigen Toren Vorsprung beendet werden muß, wenn man mit guten Aussichten in das sechs Tage später stattfindende Rückspiel in der Sporthalle Alstertal im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel gehen will.
Die nötige Unterstützung vom Oldesloer Publikum, da sind wir ganz sicher, wird der Mannschaft wohl nicht fehlen. Wir jedenfalls erwarten wieder eine bis zum Bersten gefüllte Stormarnhalle. Eintrittskarten sind auch zu diesem Spiel wieder nur an der Tageskasse erhältlich.
Um frühzeitig eintreffenden Zuschauern die Wartezeit zu verkürzen, ist ab 15.45 Uhr ein Vorspiel zwischen den Minimädchenmannschaften des VfL Oldesloe und dem SV Todesfelde, dem Heimatverein von Mannschaftsführerin Antje Schütt, vorgesehen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 25.4.1980
Sonntag, 27. April 1980
VfL Oldesloe wJA – TuS Alstertal 10:9 (6:4)
Verteidigung des Nordtitels wird für den VfL noch ein hartes Stück Arbeit
Im ersten Endspiel gelang den Oldesloer Mädchen ein knapper 10:9-Sieg
(mth). Wenn die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe nach der Landesmeisterschaft auch die Norddeutsche Meisterschaft erfolgreich verteidigen, und sich damit erneut für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft qualifizieren will, steht ihr in jedem Fall noch ein hartes Stück Arbeit ins Haus. Gut 700 Zuschauer waren in der Stormarnhalle im Hinspiel des Finales um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal Zeuge eines hauchdünnen 10:9-Erfolges der Schützlinge von Ulli Meyer. Ob dieser Vorsprung für das Rückspiel ausreichen wird, wird sich zeigen müssen. Immerhin haben die Alstertalerinnen Heimvorteil, was sich bei ihrer aggressiven Spielweise sehr nachteilig für den VfL auswirken kann. Aber „Bangemachen“ ist für die Oldesloer Mädchen ja ein Fremdwort. Auch wenn sie sicher auf einen höheren Sieg vor eigenem Publikum gehofft hatten: Sie haben auch im Rückspiel in der Hansestadt ganz sicher eine gute Chance.
Beide Mannschaften begannen das Spiel reichlich nervös und hatten zahlreiche Abspielfehler und Fehlversuche. Schon in den ersten Minuten wurde deutlich, ein wie harter Brocken die Alstertalerinnen für den VfL werden würden. Der Hamburger Meister, fast durchweg mit hochgewachsenen kräftigen jungen Damen bestückt, ging in der Abwehr rigoros zur Sache, so daß es dem VfL schwer fiel, ein Rezept für erfolgversprechende Wurfversuche zu finden, und auch im Angriff scheute er massiven körperlichen Einsatz nicht.
So dauerte es bis zur fünften Minute, ehe die Oldesloerinnen endlich zu ihrem ersten Treffer kamen, nachdem Alstertal in der dritten und vierten Minute schon auf 2:0 davongezogen war. Andrea Güldenpfennig zeichnete sich mit einem verwandelten Siebenmeter verantwortlich.
Verwandelte Siebenmeter (Andrea Güldenpfennig 2 und Andrea Struppek) bescherten auch die nächsten drei VfL-Treffer bis zur 18. Minute, als die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer erstmals mit 4:3 in Führung gingen. Zuvor hatte Martina Pusch einen solchen Siebenmeter abgewehrt, während eine personelle Überzahl – die überharte Susanne Schween erhielt eine Zwei-Minuten-Strafe – dem VfL keinen Vorteil brachte.
Nach dem erneuten Ausgleich durch die Hamburgerinnen gelang Andrea Güldenpfennig in der 20. Minute endlich das erste Feldtor für den VfL. Es sollte im ersten Spielabschnitt auch das letzte bleiben, denn in dem nach wie vor hektischen Spiel fiel bis zum Seitenwechsel nur noch ein Treffer, den wiederum Andrea Güldenpfennig mit einem Siebenmeter erzielte.
Der erstmalige Zwei-Tore-Vorsprung weckte bei den VfL-Anhängern, die ihre Mannschaft lautstark unterstützten, die Hoffnung, in das Spiel ihrer Mannschaft würde nun Ruhe und Übersicht einkehren, aber eine solche positive Wende wollte selbst dann nicht eintreten, als Meike Schäfer zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff sogar auf 7:4 erhöhte.
Den Anschlußtreffer zum 7:5 beantwortete Andrea Güldenpfennig in der 28. Minute zwar postwendend mit dem 8:5, aber dann herrschte, was VfL-Tore anging, für eine Viertelstunde „Sendepause“. Obwohl die Hamburgerinnen zwischenzeitlich erneut mit einer Spielerin weniger auskommen mußten – Susanne Meier erhielt ebenfalls eine Zwei-Minuten-Strafe –, kämpften sie sich bis zur 41. Minute auf 8:8 heran, ehe in der 43. Minute Anja Müller einen Tempogegenstoß erfolgreich zum 9:8 abschloß.
Drei Minuten später scheiterte Andrea Struppek dann mit einem Siebenmeter an der ausgezeichneten Gästetorhüterin Kaltenstein, aber in der 47. Minute machte es Andrea Güldenpfennig mit einem verwandelten Siebenmeter dann besser. 10:8 stand es damit für den amtierenden Deutschen Meister und in den folgenden zwei Minuten bot sich noch ein paarmal die Möglichkeit, doch noch für ein beruhigendes Polster für das Rückspiel zu sorgen, aber da machten die Nerven der jungen Mädchen dann doch nicht mit.
Angesetzte Wurfversuche waren zu überhastet, als daß sie hätten Erfolg bringen können, und eine Minute vor dem Abschluß kamen die Hamburgerinnen dann noch auf 9:10 heran. In der Schlußminute konnte eine dritte Zeitstrafe gegen die Alstertalerinnen (wiederum Susanne Meier) dann auch nichts mehr bewirken, da sie erst 15 Sekunden vor dem Abpfiff erfolgte.
Auch wenn vielen Fans der Sieg des VfL sicher zu knapp ausgefallen ist – insbesondere wegen der mageren Ausbeute von nur vier Feldtoren – darf man der Mannschaft wieder ein uneingeschränktes Lob aussprechen. Sie hat gegen einen physisch deutlich überlegenen Gegner, der mit der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich war, mutig und bravourös gekämpft und schließlich auch einen Sieg errungen.
Dabei konnte die Deckungsarbeit der VfL-Abwehr ohne große Abstriche überzeugen, obwohl sie ständig Schwerstarbeit zu verrichten hatte. Immerhin verhinderte sie Gegentore aus der zweiten Reihe, die sonst zu den Spezialitäten der Hamburgerinnen gehören.
Der VfL-Angriff hatte, wie schon erwähnt, einen sehr schweren Stand. Aber, obwohl die Spielerinnen pausenlos abgeblockt und körperlich attackiert wurden, verloren sie doch nie den Mut. Für das Rückspiel wird man sich aber gerade in diesem Bereich beim VfL noch etwas einfallen lassen müssen. Vor allem wird Ulli Meyer einigen seiner Schützlinge – Antje Schütt, Susanne Paetz und Martina Ivens – raten müssen, sich durch die Härte der Gegenspielerinnen nicht zu überhasteten Wurfversuchen aus wenig aussichtsreichen Positionen verleiten zu lassen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 28.4.1980
Freitag, 2. Mai 1980
Jetzt geht es um die Wurst
VfL-Mädchen steht schwerer Gang bevor
Schaffen die Oldesloerinnen bei TuS Alstertal wieder den Nordtitel?
(mth). Für die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe geht es morgen wieder einmal „um die Wurst“. In der Sporthalle Alstertal im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel steigt ab 19.30 Uhr das Rückspiel um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Meister der Hansestadt, TuS Alstertal. Das Hinspiel am letzten Sonntag in der Stormarnhalle hatten die Oldesloer Mädchen, amtierender Deutscher Meister und natürlich auch Titelverteidiger des Nordtitels, bekanntlich denkbar knapp mit 10:9 für sich entschieden.
Die Ausgangsposition für das Spiel ist dabei klar: Jeder Sieg und auch jedes Unentschieden würde den Schützlingen von Trainer Ulli Meyer zum erneuten Gewinn der Nordmeisterschaft reichen. Selbst eine Niederlage mit nur einem Tor Unterschied könnte den Oldesloer Mädchen noch reichen, vorausgesetzt, sie erzielen in Hamburg mehr als neun Tore, da bei einer Punkt-und Torgleichheit, ähnlich wie beim Europapokal der Fußballer, die auswärts geworfenen Tore den Ausschlag geben würden.
Aber soweit ist es natürlich noch lange nicht. Das Spiel vom letzten Sonntag ist allen Oldesloer Handballern noch frisch in Erinnerung und jedermann, der Zeuge dieses Spiels war, weiß, wie schwer die Aufgabe für Mannschaftsführerin Antje Schütt und ihre Kolleginnen werden wird. Schon in der Stormarner Kreisstadt bot der Hamburger Meister mit einer körperlich außergewöhnlich stabilen Truppe ein äußerst aggressives Spiel und man kann sich ausmalen, daß sie noch aufgeputschter auftreten, wenn sie die Unterstützung des eigenen Publikums im Rücken haben.
Auf jeden Fall werden sich die Oldesloerinnen für das Rückspiel insbesondere im Angriff etwas einfallen lassen müssen, denn nur vier Feldtore im letzten Spiel – die restlichen sechs Treffer fielen durch verwandelte Siebenmeter – waren doch eine magere Ausbeute, die kaum ein zweites Mal für eine Sieg oder auch nur ein Unentschieden ausreichen dürfte. Auf der anderen Seite hat die VfL-Mannschaft in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, daß sie sich bei starken Gegnern zu steigern weiß, und an der nötigen kämpferischen Moral fehlt es dem Team ohnehin nicht.
Außerdem sollte sie in das Spiel mit Ruhe und Gelassenheit hineingehen können. Schließlich hat sie in dieser Saison ohnehin schon wesentlich mehr erreicht, als man von ihr erwarten konnte. Ganz ohne Unterstützung, da sind wir ganz sicher, werden die Oldesloer Mädchen auch in Hamburg nicht sein. Die Mannschaft fährt wieder mit einem großen Reisebus zum Spiel und es besteht auch für Schlachtenbummler wieder eine Mitfahrgelegenheit. Abfahrt von der Stormarnhalle ist um 17.30 Uhr.
Einige Plätze sind dabei noch zu vergeben. Interessenten sollten sich möglichst umgehend bei Ulli Meyer melden.
Der Oldesloer Coach geht in das Rückspiel im übrigen nicht ganz ohne personelle Probleme. Seine zweite Torhüterin Kathrin Schäfer steht ihm wegen einer Klassenreise leider nicht zur Verfügung und zu allem Überfluß war Torhüterin Nr. 1, Martina Pusch, in der Woche erkrankt, wird allerdings glücklicherweise für das wichtige Spiel doch wieder zur Verfügung stehen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 2.5.1980
Sonnabend, 3. Mai 1980
TuS Alstertal – VfL Oldesloe wJA 15:19 (8:8)
Nach begeisterndem Spiel
VfL-Mädchen auch wieder Nordmeister
Bei TuS Alstertal trumpften die Oldesloerinnen mächtig auf und siegten mit 19:15
(mth). „Meine Mannschaft ist wirklich eine tolle Truppe!“ Diese stehende Redewendung von Ulli Meyer, Trainer der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe, wurde in der Sporthalle Alstertal im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel im zweiten Finale um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Meister TuS Alstertal wieder einmal voll unterstrichen. Nach dem knappen 10:9-Sieg im Hinspiel sechs Tage zuvor in der Stormarnhalle in Bad Oldesloe gab es im Umfeld des amtierenden Deutschen Meisters nicht wenige, die nicht mehr so recht an eine erfolgreiche Verteidigung des Nordtitels glauben wollten.
Die Hamburgerinnen hatten in Stormarn einen starken Eindruck hinterlassen, und man traute es ihnen bei ihrer robusten Spielweise schon zu, den Spieß im Heimspiel noch umzudrehen. Aber in einer solchen Annahme – und wir wollen ehrlicherweise eingestehen, daß auch wir dazu neigten – waren einige Fehleinschätzungen.
Die erste Fehleinschätzung war die Annahme, der VfL hätte ein Auswärtsspiel zu bestreiten. Topografisch war dieses zwar richtig, aber die Anhänger des VfL, die schätzungsweise 70 Prozent der knapp 200 Zuschauer stellten, verwandelten die Kulisse mit lautstarken Sprechchören in ein Heimspiel. Gravierender aber war wohl die Einstellung der Mannschaft. Mochten auch die Fans Respekt vor dem Gegner haben, die Spielerinnen selbst strotzten nur so vor Selbstvertrauen!
Der Mannschaft ist der Schneid einfach nicht abzukaufen. Die Hamburgerinnen gingen in eigener Halle womöglich noch härter als im Hinspiel zur Sache, aber Mannschaftsführerin Antje Schütt und ihre Kameradinnen ließen sich davon nicht beeindrucken. Sie wußten sich gegenüber dem Hinspiel um Klassen zu steigern, und landeten am Ende einen in der Höhe sensationellen 19:15-Erfolg, obwohl schon beim 8:8-Halbzeitstand abzusehen war, daß sich die Oldesloerinnen wegen der auswärts mehr erzielten Tore sogar eine Niederlage mit einem Tor Differenz hätten leisten können.
Mit diesem auch in dieser Höhe hochverdienten Sieg hat der VfL damit nach der Landesmeisterschaft auch den Nordtitel erfolgreich verteidigt, und, legt man die makellose Leistung zugrunde, darf man ihr auch in den nun folgenden Spielen um die Deutsche Meisterschaft – das nächste Spiel in der Vorschlußrunde ist voraussichtlich am 17. oder 18. Mai in Bad Oldesloe gegen Westmeister Oberlahnstein – wieder eine Menge zutrauen.
Aber nun zum Spielverlauf der Begegnung, der trotz des am Ende glatten Resultats an Spannung nicht zu wünschen übrig ließ. Beim VfL war diesmal von einer Anfangsnervosität nichts zu spüren. Die Mannschaft war sofort voll konzentriert bei der Sache und ging in der zweiten Minute durch Anja Müller auch mit 1:0 in Führung. Dem Ausgleich in der dritten Minute ließ Andrea Güldenpfennig, die einmal mehr kaum zu bremsen war, das 2:1 folgen.
Die folgenden fünf Minuten aber gehörten dann mehr den Hamburgerinnen, die wie schon im Spiel in Oldesloe ungemein hart zur Sache gingen. Bei einem Gegentor von Antje Schütt, gingen sie bis zur zehnten Minute mit 4:3 in Führung und der VfL konnte sich bei seiner Torhüterin Martina Pusch bedanken, die zwischenzeitlich einen Siebenmeter parierte, daß dieser Rückstand nicht höher ausfiel.
Dann aber war wieder Andrea Güldenpfennig an der Reihe. Mit zwei todsicher verwandelten Siebenmetern und einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß drehte sie bis zur 17. Minute bis zum 6:4 den Spieß um. Zeit, angesichts dieses Vorsprungs nun etwas Atem zu schöpfen, verblieb aber nicht. Die Alstertalerinnen warfen die Flinte noch lange nicht ins Korn. Bis zur 23. Minute hatten sie aus dem Rückstand eine 7:6-Führung gemacht und erst als ihre härteste Spielerin, Schween, danach mit einer Zwei-Minuten-Zeitstrafe belegt wurde, konnte Anja Müller zum 7:7 ausgleichen.
30 Sekunden vor dem Seitenwechsel gelang den Hamburgerinnen mit einem verwandelten Siebenmeter dann erneut eine Führung. aber die wenigen verbliebenen Sekunden nutzte Andrea Güldenpfennig mit einem Gewaltwurf aus der zweiten Reihe noch zum 8:8-Halbzeitstand aus. Dieser Treffer war von vorentscheidender Bedeutung, denn eine Halbzeitführung hätte den Gastgeberinnen leicht Oberwasser geben können, zumal sie nach der Pause Anwurf hatten.
So aber standen sie weiter unter Erfolgszwang, was sich in Nervosität ausdrückte, während der VfL weiterhin äußerst kühl agierte. Wie schon in der ersten Halbzeit erzielte auch im zweiten Durchgang Anja Müller (27. Minute) den ersten Treffer, vier Minuten später mußte sie für zwei Minuten auf die Strafbank.
Der VfL geriet dadurch nicht in Bedrängnis. Im Gegenteil: Andrea Güldenpfennig erhöhte sogar auf 10:8, ehe den Hamburgerinnen dann doch, als der VfL schon wieder vollzählig war, bis zur 34. Minute auf 10:10 ausgleichen konnte. In den folgenden Minuten stand das Spiel auf der Kippe. Dem 11:10 durch Andrea Güldenpfennig mit einem Siebenmeter folgte prompt der erneute Gleichstand und auch eine 13:11-Führung, die anschließend Anja Müller und Martina Ivens herauswarfen, war bis zur 40. Minute wieder egalisiert.
Alstertal war inzwischen dazu übergegangen, Andrea Güldenpfennig kurz zu decken, aber dieser vermeintliche „Rettungsanker“ konnte in den Schlußminuten einen wie entfesselt aufspielenden VfL nicht mehr stoppen. Die Spielentscheidung fiel dabei zwischen der 43. und 45. Minute. Zunächst mußte die überharte Schween erneut auf die Strafbank, dann warf Anja Müller das 14:13 heraus, anschließend hielt die glänzend disponierte Martina Pusch einen zweiten Siebenmeter und schließlich hatte Andrea Güldenpfennig auch bei ihrem vierten Siebenmeter starke Nerven, obwohl sie selbst gefoult worden war.
Mit zwei blitzsauberen Toren erhöhte Martina Ivens den Vorsprung auf 17:13 und in den beiden Schlußminuten fielen dann noch vier weitere Treffer. Toren von Susanne Ladwig, mit sechs Treffern erfolgreichste Spielerin ihrer Mannschaft, setzten Susanne Paetz und Antje Schütt noch zwei VfL-Treffer entgegen.
Den VfL-Mädchen gebührt für eine wirklich meisterliche Leistung ein Pauschallob. Alle Spielerinnen, neben den schon Erwähnten waren dieses noch Andrea Struppek, Meike Schäfer, Wiebke Rickert und Anja Bünger, während Auswechseltorhüterin Anke Petersen, die die verhinderte Kathrin Schäfer vertrat, nicht zum Einsatz kam, waren fit bis unter die Haarspitzen und kämpften mit nimmer müden Einsatz.
Besonders hervorgehoben zu werden verdienen dabei, ohne deswegen die anderen abwerten zu wollen, Andrea Güldenpfennig als achtfache Torschützin, die unermüdlich antreibende Anja Müller, Martina Ivens, die 40 Minuten auf ihren Einsatz warten mußte und dann ungeahnte Kräfte mobilisierte und Martina Pusch, der nie anzumerken war, daß sie fast die ganze Woche vor dem Spiel mit Fieber im Bett zugebracht hatte.
STORMARNER TAGEBLATT vom 5.5.1980
Freitag, 16. Mai 1980
Sonntag 15 Uhr ist es wieder so weit:
VfL-Mädchen erwartet ein heißer Tanz
Westmeister TG Oberlahnstein Gegner im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft
(mth). Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft der weiblichen Handball-A-Jugend trifft der Norddeutsche Meister VfL Oldesloe wie im letzten Jahr auf seinem erfolgreichen Weg zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft auf den Vertreter des Regionalverbandes West. Anders als im Norden, wo sich die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer mit imponierenden Leistungen erneut durchsetzten, hat es im Westen einen neuen Titelträger gegeben. Nicht der RSV Mülheim, der in Bad Oldesloe wegen seiner rauhen Gangart noch in unangenehmer Erinnerung ist, konnte sich in diesem Jahr durchsetzen, sondern die TG Oberlahnstein.
Anders als im letzten Jahr tritt der VfL Oldesloe im ersten Spiel des Halbfinales nicht beim Gegner an, sondern genießt zunächst Heimrecht. Manchem unbefangenen Betrachter mag diese Ansetzung für die Oldesloer Mädchen als Nachteil erscheinen – wie beim großen „Bruder“, dem Fußball-Europapokal, haben es die meisten Mannschaften auch im Handball lieber, zunächst auswärts anzutreten, um dann vor eigenem Publikum alles klar machen zu können –, aber wir sind sicher, daß sich die Truppe um Mannschaftsführerin Antje Schütt von solchen Äußerlichkeiten nicht beeinflussen lassen wird.
Gerade in den letzten Spielen hat sie in auswärtigen Hallen weit weniger Nervosität an den Tag gelegt als in eigener Halle, so daß sie selbst dann nicht aussichtslos zum Rückspiel am Pfingstsonntag reist, wenn das Spiel am Sonntag um 15 Uhr in der Stormarnhalle nicht ganz das gewünschte Resultat bringen wird.
Aber soweit sind wir ja bisher noch lange nicht. Die Oldesloerinnen gehen natürlich mit dem erklärten Ziel in das Hinspiel, wenn irgend möglich ein beruhigendes Polster für das Rückspiel herauszuspielen. Seit dem imponierenden Sieg im Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft bei TuS Alstertal hat die Mannschaft in den beiden letzten Wochen intensiv trainiert, und befindet sich nach Auskunft von Trainer Ulli Meyer in bester Verfassung.
Beim Training am Dienstag dieser Woche zog sich Susanne Paetz zwar eine Verletzung an ihrer Wurfhand zu, der Oldesloer Coach ist aber zuversichtlich, sie am Sonntag dennoch einsetzen zu können. Alle anderen Spielerinnen sind ohnehin topfit und werden sicher alles tun, um den großen Erfolg des letzten Jahres zu wiederholen.
Bei den Oldesloerinnen ist man sich dabei darüber im klaren, daß ihnen eine ganz schwere Aufgabe ins Haus steht. Der Gegner aus Oberlahnstein konnte bislang zwar noch nicht beobachtet werden, aber es ist bekannt, daß in seinen Reihen drei Spielerinnen stehen, die beim letzten Lehrgang des Deutschen Handballbundes, an dem ja auch Andrea Güldenpfennig hatte teilnehmen sollen, die dann wegen des Entscheidungsspieles um die schleswig-holsteinische Landesmeisterschaft aber verzichtete.
Drücken wir also den großartigen Mädchen um Mannschaftsführerin Antje Schütt für die schwere Aufgabe die Daumen. An der nötigen Unterstützung durch das Oldesloer Publikum wird es der Mannschaft sicher nicht fehlen. Nachdem schon zum Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft mehr als 500 zahlende Zuschauer in die Stormarnhalle gekommen waren, rechnet man beim VfL für Sonntag mit wenigstens 700 Besuchern.
Mit der endgültigen Terminierung dieses Spiels hatte es im übrigen kleine Schwierigkeiten gegeben, denn eigentlich war die Stormarnhalle das ganze Wochenende von den Badmintonspielern des VfL mit Beschlag belegt. Sie erklärten sich aber bereit, am Sonntagnachmittag in die Sporthalle des Fachgymnasiums umzuziehen, obwohl das für sie mit nicht unerheblichen organisatorischen Belastungen verbunden ist.
Ein besonderes Opfer bringt wie im letzten Jahr Trainer Ulli Meyer für seine erfolgreiche Truppe. Eigentlich wollte er am Sonntag zu einem schon gebuchten Griechenland-Urlaub aufbrechen, aber für seine Mädchen verzichtete er wiederum darauf. Dabei wäre er glücklich, wenn er kurzfristig noch einen Nachfolger für seine schon abgeschlossene Reise finden könnte. Wer Lust und Zeit hat, für 14 Tage nach Griechenland aufzubrechen, sollte sich mit ihm rasch in Verbindung setzen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 16.5.1980
Sonntag, 18. Mai 1980
VfL Oldesloe wJA – TG Oberlahnstein 12:8 (6:4)
Sieg hätte noch klarer ausfallen können
VfL-Mädchen stehen mit einem Bein schon im Finale
Gegen TG Oberlahnsteln war Andrea Güldenpfennig die herausragende Spielerin
(mth). Mit wenigstens einem Bein steht die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe erneut im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Im Hinspiel des Halbfinales bezwangen die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer in der Stormarnhalle den Westmeister TG Oberlahnstein mit 12:8 (6:4) und dieser Vorsprung ist für das Rückspiel am Pfingstsonntag doch schon ein recht beruhigendes Polster, zumal die Gäste über weite Strecken der Partie mit dem VfL spielerisch nicht mithalten konnten. Wäre der amtierende Deutsche Meister vor allem in der zweiten Halbzeit noch konzentrierter zur Sache gegangen, hätte er schon im Hinspiel auch den letzten Zweifel ausräumen können, aber auch so hat man bei den Oldesloerinnen allen Grund, die Reise in den Westen gelassen anzutreten.
In der im großen und ganzen sehr fairen Partie – es gab nicht eine Zeitstrafe – dauerte es geschlagene vier Minuten, ehe der erste Treffer fiel. Bis dahin war der VfL noch nicht einmal in Ballbesitz gekommen, denn die Oberlahnsteinerinnen zogen sofort ein ausgesprochenes „Breitwandspiel“ auf, ohne dabei ersichtlich auf einen Torerfolg aus zu sein.
Das lag freilich nicht nur an ihrer eigenen Mutlosigkeit zu Würfen aus der zweiten Reihe und zu druckvollen Kombinationen, sondern auch an der aufmerksamen Deckungsarbeit des VfL. Nach vier Minuten hatten die Unparteiischen ein Einsehen und brachten den VfL durch die Zeitspielregel in Ballbesitz und es dauerte keine zehn Sekunden, bis Andrea Güldenpfennig das 1:0 erzielt hatte. Sie deutete damit schon an, in welch hervorragender Verfassung sie sich befand, mit der sie im späteren Spielverlauf fast allein den Gegner zur Verzweiflung brachte.
Zunächst aber einmal traten auch noch andere Spielerinnen ans Rampenlicht. Andrea Struppek erhöhte in der 7. Minute auf 2:0 und Anja Müller besorgte mit einem Gewaltwurf nur 60 Sekunden später das 3:0. Schon zu dieser Zeit schien alles auf einen deutlichen Sieg des VfL hinzudeuten, denn die Westdeutschen mühten sich auch weiterhin, ein Mittel gegen den VfL-Abwehrblock zu entwickeln.
Bis zur 13. Minute mußten sie warten, ehe ihre bei weitem stärkste Spielerin, Kerstin Zulauf, die zwei Minuten vorher schon den Pfosten getroffen hatte, ihren ersten Treffer zum 3:1 anbringen konnte. Meike Schäfer stellte aber postwendend den alten Abstand wieder her und auch das zweite Tor der Gäste durch Katharina Witt in der 18. Minute wurde von Andrea Güldenpfennig noch in derselben Minute mit einem VfL-Treffer beantwortet. Dieser Treffer kam dabei auf etwas kuriose Art und Weise zustande, denn der VfL-Angriff war schon abgefangen, aber Andrea Güldenpfennig fing den Abwurf der Oberlahnsteiner Torhüterin Waltraud Parplys kurz vor deren Torraum ab und vollstreckte mit einem Wurf, den Fußballer bei Einwürfen anzuwenden pflegen.
Schon während dieses Spielabschnittes hatte sich gelegentlich gezeigt, daß der VfL sich von der langsamen und umständlichen Spielweise des Gegners „einlullen“ ließ, und in den letzten Minuten bis zum Seitenwechsel wurden diese Symptome noch deutlicher. Kerstin Zulauf konnte den Rückstand bis zur 23. Minute auf 4:5 verringern und erst kurz vor der Pause gelang Andrea Güldenpfennig mit einem verwandelten Siebenmeter das sechste VfL-Tor.
In der Halbzeitpause hatte Trainer Ulli Meyer dann ein neues Konzept herausgegeben, um das langatmige Spiel des Gegners durch mehr aggressive Spielweise schneller zu unterbinden. Andrea Güldenpfennig agierte nun vor der eigenen Deckung und beschattete nun besonders „liebevoll“ Kerstin Zulauf. Mit diesem neuen Konzept konnten sich die Oberlahnsteiner Mädchen überhaupt nicht anfreunden, und innerhalb nur weniger Minuten war endgültig dem letzten der rund 600 Zuschauer – das herrliche Sommerwetter hatte sicher viele Handballfreunde vom Besuch des Spieles abgehalten – klar, wer das Spielfeld als Sieger verlassen würde.
Ein wiederum sicher verwandelter Siebenmeter durch Andrea Güldenpfennig (26. Minute) brachte das 7:4, anschließend hielt Martina Pusch einen Siebenmeter von Martina Hartmann und mit einem Tempogegenstoß erhöhte die immer besser werdende Andrea Güldenpfennig auf 8:4 und dieselbe Spielerin verwandelte in der 32. Minute einen weiteren Siebenmeter zum 9:4. Kerstin Zulauf konnte eine Minute später zwar auf 5:9 verkürzen (ebenfalls Siebenmeter), aber spätestens nach dem 10:5 in der 36. Minute, Torschützin war, man braucht es kaum noch zu erwähnen, Andrea Güldenpfennig, schien der Westmeister endgültig auseinanderzubrechen.
Nicht nur auf dem Spielfeld, auch auf der Bank wurden nun Fehler gemacht. Als der Mannschaft in der 37. Minute ein Siebenmeter zugesprochen wurde, hatte niemand mehr – insbesondere die auserkorene Schützin Kerstin Zulauf – die rechte Traute. Darauf lief der Gästetrainer persönlich auf das Spielfeld, um seine Spielerin zu überreden, wohl den weisen Spruch nicht kennend, daß Hunde, die man zur Jagd tragen muß, dafür nicht taugen.
Die Folgen waren fatal. Der Trainer mußte wegen des klaren Regelverstoßes die Halle verlassen und der Siebenmeter wurde obendrein nicht verwandelt. Wie man so etwas macht, zeigte in der 42. Minute auf der Gegenseite Andrea Güldenpfennig beim 11:5, aber dieses Beispiel färbte auf den Westmeister nicht ab, denn auch Beate Müller scheiterte eine weitere Minute später an Martina Pusch. Auch sie hatte zur Exekution des Siebenmeters erst überredet werden müssen.
In diesen Minuten versäumte es der VfL endgültig, den „Sack“ endgültig „zuzubinden“. Zu viele Spielerinnen (Anja Bünger, Susanne Paetz, Martina Ivens und Antje Schütt) meinten nun, leichtes Spiel zu haben und ließen sich zu überhasteten Torwürfen hinreißen. Durch drei Treffer in Folge konnten Katharina Witt (2, darunter auch ein Siebenmeter) und Beate Müller bis zur 49. Minute das Ergebnis auf 11:8 verkürzen, ehe dann Anja Müller in den Schlußsekunden den Vorsprung der Oldesloerinnen noch wieder auf vier Tore ausdehnte.
STORMARNER TAGEBLATT vom 19.5.1980
Mittwoch, 21. Mai 1980
Handballmädchen: Wieder Mitfahrgelegenheit
(mth). Zum Rückspiel des Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft der weiblichen Handball-A-Jugend zwischen TS Oberlahnstein und dem VfL Oldesloe, das am Pfingstsonntag um 15 Uhr in der Sporthalle des Johannes-Gymnasiums in Niederlahnstein ausgetragen wird, wird der VfL Oldesloe wieder mit einem großen Reisebus fahren und es besteht wieder für Fans die Möglichkeit. die Reise mitzumachen. Die Abfahrt ist für Sonnabend um 8 Uhr an der Stormarnhalle vorgesehen. Die Rückkehr wird am Pfingstmontag erfolgen. Einschließlich zweier Hotelübernachtungen beträgt der Preis für die Mitfahrer 73 Mark. Interessenten sollten sich möglichst umgehend bei Ulli Meyer melden. Das zweite Halbfinale zwischen den Reinickendorfer Füchsen und Südwestmeister TSV Krofdorf-Gleiberg endete am letzten Sonntag mit einem 12:9-Erfolg für die Berliner Mädchen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.5.1980
Freitag, 23. Mai 1980
Vor dem Halbfinal-Rückspiel
Zu Überheblichkeit besteht kein Anlaß … aber mit konzentrierter Leistung sollte es für die VfL-Mädchen reichen
(mth). Schafft die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe auch in diesem Jahr wieder den Sprung ins Finale um die Deutsche Meisterschaft? Die Voraussetzungen für die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer sind vor dem Halbfinal-Rückspiel am Pfingstsonntag um 15 Uhr bei Westmeister TG Oberlahnstein denkbar günstig.
Das Hinspiel am letzten Sonntag in der Stormarnhalle haben die Oldesloerinnen bekanntlich mit 12:8 für sich entschieden, und dabei hinterließen die Oberlahnsteinerinnen nicht den Eindruck, als sollten sie in der Lage sein, diesen Vier-Tore-Rückstand noch wettzumachen.
Vorsicht ist allerdings für den VfL dennoch geboten, denn der Westmeister hat bei seinen Spielen um die Meisterschaft in seinem Regionalverband bewiesen, daß die Mannschaft in eigener Halle zu wesentlich besseren Leistungen fähig ist, als sie dieses in Bad Oldesloe zu zeigen vermochte. Bei den Spielen um die Westdeutsche Meisterschaft jedenfalls hat die TG Oberlahnstein ihre Heimspiele immer klar für sich entschieden, während es in Auswärtsbegegnungen das eine oder andere Mal haperte.
Die Mädchen um Mannschaftsführerin Antje Schütt werden also gut daran tun, auch in das Rückspiel mit voller Konzentration in zu gehen Zu Überheblichkeit besteht auch angesichts der Vier-Tore-Vorsprungs keinerlei Anlaß. Hauptaufgabe für den VfL, das wurde schon im Hinspiel deutlich, wird es sein, den Wirkungskreis von Kerstin Zulauf, der mit Abstand stärksten Spielerin des Westmeisters, einzuschränken.
Trainer Ulli Meyer wird dabei voraussichtlich erst kurz vor Spielbeginn entscheiden, mit welcher Deckungsformation – ob 6:0 oder 5:1 – er dieses Ziel erreichen will. Im Hinspiel haben sich eigentlich beide Varianten, die je für eine Halbzeit praktiziert wurden, bewährt. Voraussetzung für das Funktionieren ist natürlich, daß die VfL-Mädchen ähnlich konsequent zur Sache gehen wie in der Stormarnhalle.
Abgesehen davon, daß der amtierende Deutsche Meister wie erwähnt keinen Grund hat, die Angelegenheit überheblich oder nachlässig anzugehen – wozu die Mädchen im übrigen nicht neigen –, hat er natürlich allen Grund, die Sache zuversichtlich und gelassen auf sich zukommen zu lassen. Die Mannschaft hat auch in dieser Woche sich wieder intensiv auf das Spiel vorbereitet – am Mittwoch und Donnerstag wurde jeweils eineinhalb Stunden hart trainiert – und personell gibt es keinerlei Probleme. Auch Susanne Paetz, die am letzten Sonntag mit ihrer verletzten Wurfhand doch ersichtliche Probleme hatte, ist soweit wiederhergestellt, daß sie ohne Beschwerden aufspielen kann.
Spielt die Mannschaft in der Abwehr ähnlich konzentriert wie im Hinspiel, und läßt sich im Angriff nicht zu überhasteten Würfen aus wenig aussichtsreichen Positionen hinreißen – solche „Einlagen“ verhinderten am letzten Sonntag einen noch klareren Sieg – hat sie wirklich alle Chancen, erneut nach der höchsten Krone zu greifen.
Wer im dann anstehenden Endspiel der Gegner sein wird, erfährt die Mannschaft schon am Sonnabendabend. Auf der Reise nach Oberlahnstein – das Spiel findet im übrigen im Nachbarort Niederlahnstein um 15 Uhr in der Sporthalle des Johannes-Gymnasiums statt – die der VfL bereits am Sonnabend um 8 Uhr von der Stormarnhalle aus antritt, wird die Mannschaft nämlich in Krofdorf (bei Gießen) Halt machen, wo um 19 Uhr das zweite Halbfinal-Rückspiel zwischen Südwestmeister TSV Krofdorf-Gleiberg und dem Berliner Vertreter, den Reinickendorfer Füchsen, stattfindet. Das Hinspiel hatten die Berlinerinnen mit 12:9 für sich entschieden.
Im Reisebus, mit dem die VfL-Mädchen zu ihrer großen Aufgabe aufbrechen sind im übrigen noch immer einige, wenige Plätze frei für Schlachtenbummler. Interessenten sollten sich möglichst umgehend mit Ulli Meyer in Verbindung setzen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 23.5.1980
Sonntag, 25. Mai 1980
TG Oberlahnstein – VfL Oldesloe wJA 14:18 (5:9)
Die großartigen VfL-Mädchen wieder im Finale
Mit einer tollen Leistung besiegten die Oldesloerinnen den Westmeister TG Oberlahnstein auch im Rückspiel glatt
(mth). Der Schlachtruf „Und das war Spitze“ ist zwar nicht eigens für die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe erfunden worden, sondern von der recht kleinen, dafür aber um so stimmgewaltigeren Schlachtenbummlergruppe, die den amtierenden Deutschen Meister zum Rückspiel des Halbfinals beim Westmeister TG Oberlahnstein begleitete, von der Fernseh-Unterhaltungssendung Dalli-Dalli übernommen worden, aber noch selten wohl ist dieser Schlachtruf in seinem Sinngehalt so zutreffend gewesen, wie bei diesem Spiel. Mit einem imponierenden 18:14 (9:5)-Erfolg sicherte sich die Truppe von Trainer Ulli Meyer erneut die Teilnahme am Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, in dem die Reinickendorfer Füchse aus Berlin der Gegner sind.
Nach dem 12:8- Hinspielerfolg vor einer Woche in Bad Oldesloe kommt der neuerliche Sieg der Oldesloer Mädchen zwar nicht mehr überraschend, bei einer solchen Einschätzung aber muß berücksichtigt werden, daß der Westmeister anders als im Hinspiel, als der VfL doch verhältnismäßig leichtes Spiel hatte, in eigener Halle ganz anders aus sich herausging, und Partner für ein Spiel wurde, das eine echte Werbung für den Handballsport war. Die Oldesloer Mädchen ihrerseits ließen sich von der Leistungssteigerung der Oberlahnsteinerinnen nicht beeindrucken, legten „noch ein paar Briketts“ zu und boten neben dem Rückspiel um die Norddeutsche Meisterschaft vor wenigen Wochen in Hamburg-Alstertal ihr wohl bislang bestes Spiel in dieser Saison.
Nach der alles überragenden Leistung von Andrea Güldenpfennig im Hinspiel vor einer Woche hatte sich der Westmeister für das Rückspiel eine neue taktische Variante einfallen lassen. Um sich von Andrea nicht noch einmal an der Nase herumführen zu lassen, hatte man ihr mit Beate Müller eine Sonderbewacherin zugeordnet. Mit dieser Maßnahme glaubte man, dem VfL die Krallen gezogen zu haben, aber der taktische Kniff erwies sich im Spiel schnell als ein höchst zweischneidiges Schwert. Der Wirkungsgrad von Andrea Güldenpfennig im eigenen Angriffsspiel konnte zwar erheblich eingeschränkt werden, ohne, daß das VfL-Ass deswegen etwa ausgeschaltet wurde, auf der anderen Seite fingen nun andere VfL-Spielerinnen mit gefährlichen Torwürfen an, mit denen man auf Oberlahnsteiner Seite nicht gerechnet hatte.
Schon in der ersten Minute eröffnete Anja Müller den Torreigen und nur eine Minute später erhöhte Antje Schütt auf 2:0. Anders als im Hinspiel, als der Westmeister vornehmlich durch Mutlosigkeit zu Torwürfen auffiel, machte er im Rückspiel von sich aus das Spiel schneller und sparte auch nicht mit Würfen aus der zweiten Reihe, aber auf einen Torerfolg mussten die Gastgeberinnen noch etwas warten, weil die VfL-Deckung erneut sehr konzentriert arbeitete und Torhüterin Martina Pusch wieder einen glänzenden Tag hatte.
Zunächst einmal war noch einmal der Nordmeister mit dem 3:0 an der Reihe, das Andrea Güldenpfennig in der dritten Minute mit einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß erzielte. Erst darauf erzielte Kerstin Zulauf den ersten Treffer für die Oberlahnsteinerinnen.
In den folgenden sieben Minuten fiel dann auf beiden Seiten kein Treffer mehr. Zwischendurch machte der Westmeister deutlich, daß er das Siebenmeterwerfen auch in der Woche zwischen Hin- und Rückspiel nicht recht gelernt hatte. Katharina Witt warf in der siebenten Minute neben das Tor von Martina Pusch. Wie man solche Würfe sicher verwandelt, demonstrierte in der elften Minute Andrea Güldenpfennig, und als dann nach dem 4:2 durch Eva Bonn Antje Schütt und Andrea Güldenpfennig innerhalb weniger Sekunden den Vorsprung für den VfL aif 6:2 schraubten, war eigentlich schon endgültig geklärt, welche von den beiden Mannschaften das Finale erreichen würde.
Zusammen mit dem Vier-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel hatte der VfL damit acht Treffer voraus und nur ein Wunder hätte nun noch eine Wende bringen können. Bei allen Bemühungen der Oberlahnsteinerinnen, die anerkennenswerterweise nie aufsteckten und verbissen fighteten, blieb es bis zur Pause bei einem Vorsprung von vier Toren für die Oldesloerinnen. Andrea Güldenpfennig verwandelte noch zwei Siebenmeter für den VfL und Susanne Paetz erzielte in der 25. Minute den 9:5 Halbzeitstand. Kerstin Zulauf mit einem verwandelten Siebenmeter, Jutta Walldorf und Beate Müller warfen noch Tore für den Westmeister, der nach wie vor seine Siebenmeterschwächen nicht ablegen konnte. Kerstin Zulauf warf in der 23. Minute neben das Tor, das inzwischen von Kathrin Schäfer gehütet wurde – Trainer Ulli Meyer hab ihr, die durch die hervorragende Form von Martina Pusch zuletzt solange vergeblich auf eine Chance hatte warten müssen, angesichts des klaren Vorsprungs wieder einmal eine Bewährungschance – und dieselbe Spielerin konnte in der 25. Minute eben diese Kathrin Schäfer, die sich glänzend zurechtfand, nicht überwinden.
Im zweiten Spielabschnitt nahm das ohnehin schon gutklassige Spiel an Niveau zu. Die Oberlahnsteinerinnen legten nun auch ihre letzten Hemmungen ab. Sie glaubten zwar auch nicht mehr daran, noch das Finale schaffen zu können, wollten sich aber zumindest in ihrem Heimspiel nicht vom VfL vorführen lassen.
Aber die VfL-Mädchen dachten nicht daran, etwas zu verschenken. Sie wollten nicht nur das Finale erreichen, sondern auch das zweite Halbfinalspiel unbedingt mit einem Sieg abschließen. Leicht in Gefahr, den Vier-Tore-Vorsprung doch noch zu verlieren, geriet der VfL dabei nur noch zweimal, als die Oberlahnsteinerinnen auf 11:13 (37.Minute) beziehungsweise 12:14 (43. Minute) herankamen, aber stets war der Nordmeister wieder rechtzeitig zur Stelle, um die Fronten wieder zu klären.
Er konnte es sich dabei sogar leisten, daß Trainer Ulli Meyer verstärkt von Auswechslungsmöglichkeiten Gebrauch machte, ohne daß das Spiel seiner Mannschaft dadurch einen entscheidenden Knacks bekam. In den Schlußminuten hatte der VfL dann nicht nur die besseren Nerven, sondern auch die bessere Kondition und baute den Vorsprung wieder auf vier Tore aus. Kreisläuferin Wiebke „Zwiebel“ Rickert, die sonst eigentlich höchst selten als Torschützin in Erscheinung tritt, erzielte dabei die letzten drei VfL-Tore ganz allein.
Andrea Güldenpfennig, Anja Müller (je 2), Susanne Paetz und Andrea Struppek waren sonst in der zweiten Halbzeit noch für den VfL erfolgreich. Auf der Gegenseite besorgten Jutta Walldorf (3), Kerstin Zulauf, Beate Müller und Eva Bonn (je 2) die Tore. Eva Bonn verwandelte dabei zwei Siebenmeter, scheiterte in der Schlußminute aber ebenso an Martina Pusch (die eigens dafür wieder ins Tor zurückgekehrt war), wie in der 28. Minute Jutta Walldorf an Kathrin Schäfer.
Dem VfL darf man für das Spiel in Oberlahnstein wieder einmal ein großes Gesamtlob aussprechen Die Mannschaft hat erneut bewiesen, daß sie sich ernorm zu steigern weiß, wenn sie von ihrem Gegner ernsthaft gefordert wird. Sie braucht sich hinter ihrer ruhmreichen Vorgängerin weiß Gott nicht zu verstecken und hat sicher alle Chancen, den Meistertitel erneut an die Trave zu holen.
Die Reinickendorfer Füchse aus Berlin werden im Finale zwar ganz gewiß ein ernstzunehmender Gegner sein – der VfL konnte sich davon am Sonnabend überzeugen, als er auf der Fahrt nach Oberlahnstein in Krofdorf-Gleiberg Zeuge des 7:4-Erfolges der Berlinerinnen bei Südwestmeister TSV Krofdorf-Gleiberg war –, aber mit gleichem Schwung und Elan wie in den letzten Spielen ist auch diese Hürde zu meistern.
Außer den schon erwähnten Spielerinnen kamen beim VfL in Oberlahnstein noch Meike Schäfer, Martina Ivens und Anja Bünger zum Einsatz. Martina Ivens und Anja Bünger waren dabei mit ihren eigenen Leistungen nicht recht zufrieden, und sind deshalb für die Finalspiele besonders motiviert, denn ihr Ehrgeiz ist es, zu demonstrieren, daß mehr in ihnen steckt, als sie am Pfingstsonntag zeigen konnten.
Die Finalspiele – es gibt wieder Hin- und Rückspiele – steigen schon an den nächsten beiden Wochenenden. Am nächsten Sonntag (Spielbeginn voraussichtlich 15 Uhr) ist die Stormarnhalle in Bad Oldesloe Schauplatz, eine Woche später fällt dann in Berlin die endgültige Entscheidung.
STORMARNER TAGEBLATT vom 27.5.1980
Mittwoch, 28. Mai 1980
1. Finale doch in Berlin
(mth). Der Deutsche Handballbund hat den Terminplan für die beiden Endspiele um die Deutsche Meisterschaft der weiblichen Handball-A-Jugend umgeschmissen. Wie VfL-Trainer Ulli Meyer heute morgen aus Dortmund, dem Sitz der DHB-Zentrale, erfuhr, findet das Hinspiel am kommenden Sonntag nun doch nicht wie ursprünglich angesetzt in Bad Oldesloe, sondern in Berlin statt. Austragungsort ist um 11 Uhr die Sporthalle in der Soemmeringstraße im Stadtteil Charlottenburg. Die Reinickendorfer Füchse kommen dann eine Woche später zum Rückspiel, in dem dann die endgültige Entscheidung fallen wird, nach Bad Oldesloe.
STORMARNER TAGEBLATT vom 28.5.1980
Freitag, 30. Mai 1980
Am Sonntag erstes Endspiel in Berlin
Die VfL-Mädchen tragen Favoritenbürde
Bei den Reinickendorfer Füchsen wollen sie sich eine gute Ausgangsposition schaffen
(mth). Auf Hochtouren ist in dieser Woche in der Handballabteilung des VfL Oldesloe gearbeitet worden. Ursache war – natürlich – das erneute Erreichen des Deutschen Meisterschaftsfinales der weiblichen A-Jugend. Besonders viel Arbeit machte dabei die kurzfristige Verlegung des Hinspiels, das ursprünglich für die Stormarnhalle in Bad Oldesloe vorgesehen war, nach Berlin.
Im Endeffekt kommt dem VfL diese Verlegung sicher entgegen, denn es kann eigentlich nur von Vorteil sein, das Rückspiel eine Woche später, in dem dann die endgültige Entscheidung fallen muß, in eigener Halle und mit Unterstützung des eigenen Publikums bestreiten zu können, aber für die Organisation einer Berlinreise mit so kurzer Frist tauchten natürlich Probleme auf.
Die Beschaffung eines ansprechenden Quartiers und entsprechender Fahrgelegenheiten war nicht ganz einfach und schließlich mußten ja auch die Papiere für reinen Transfer durch die DDR in Ordnung sein, denn bei den dortigen Behörden drückt man schließlich auch für einen amtierenden Deutschen Meister kein Auge zu, aber mit vereinten Kräften haben Manfred Fandrey, der so etwas wie „Manager“ der erfolgreichen VfL-Truppe ist, und Trainer Ulli Meyer alle Probleme bewältigt, so daß die Mannschaft morgen früh um 7 Uhr von der Jugendherberge im Bürgerpark aus zuversichtlich die Reise in die ehemalige deutsche Hauptstadt antreten kann.
Organisatorisch jedenfalls sollten keinerlei Schwierigkeiten mehr auftauchen, und daß die Mannschaft um Mannschaftsführerin Antje Schütt sportlich fit und gut vorbereitet ist, hat sie ja in den letzten Wochen mit vielen Glanzleistungen bewiesen. Der sportliche Teil der Vorbereitungen lief beim VfL dann auch gänzlich im üblichen Rahmen ab. Am Mittwoch und Donnerstag nahm Trainer Ulli Meyer seine Schützlinge im Training jeweils für eineinhalb Stunden hart ran.
Keinerlei Probleme hat der Erfolgscoach des VfL in personeller Hinsicht. Alle seine Stammspielerinnen sind gesund, so daß er am Sonntag um 11 Uhr in der Sporthalle Charlottenburg in der Sömmeringstraße in Berlin 10 seine Bestbesetzung aufbieten kann und alle diejenigen, die die Mannschaft in den letzten Wochen und Monaten regelmäßig beobachtet haben, sind sicher, daß Andrea Güldenpfennig und Co. ihr Bestes geben werden.
Die Mannschaft muß sich dabei darüber im Klaren sein, daß sie in die Endspiele in diesem Jahr keineswegs als Außenseiter geht, obwohl ihr diese Rolle eigentlich mehr behagt. Nach den großartigen Leistungen in den letzten Spielen und als Titelverteidiger zumal, trägt sie die Favoritenbürde.
Hinzu kommt, daß der VfL den Berliner Meister, die Reinickendorfer Füchse, im letzten Jahr in der Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft sicher ausgeschaltet hat.
Aber gestern ist nicht heute und niemand im Lager des VfL hat irgendeinen Grund, die Berliner Mädchen zu unterschätzen. Die Reinickendorfer Füchse, davon haben sich die Oldesloer Mädchen am Tag vor ihrem Halbfinalrückspiel in Oberlahnstein persönlich in Krofdorf-Gleiberg (bei Gießen), wo der Berliner Meister mit einem 7:4-Sieg über den Südwestmeister den Einzug ins Finale perfekt machte, überzeugen können, haben in diesem Jahr eine weit stärkere Mannschaft zur Verfügung als 1979.
Die Stärken der Berlinerinnen liegen in einer großen mannschaftlichen Geschlossenheit und bei Tempogegenstößen. Unbezwingbar allerdings erscheinen die Berlinerinnen, bei denen sich fast alles um Heike Hass dreht, nicht zu sein. Ihr Spiel beim Südwestmeister Krofdorf-Gleiberg offenbarte auch gewisse Schwächen und wir sind sicher, daß VfL-Trainer Ulli Meyer daraus die richtigen Schlüsse gezogen hat und seine Mannschaft entsprechend einstellt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 30.5.1980
Sonntag, 1. Juni 1980
Reinickendorfer Füchse – VfL Oldesloe wJA 9:8 (7:4)
Noch ist nichts verloren
Die VfL-Mädchen wachten erst in der zweiten Halbzeit auf
Im ersten Endspiel in Berlin drohten dem VfL alle Felle wegzuschwimmen, aber noch ist die Titelverteidigung möglich
(mth). Die Spielerinnen der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe waren eigentlich durchweg optimistisch in das erste Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den Berliner Meister, die Reinickendorfer Füchse, in der Sporthalle Charlottenburg, gegangen. Sie unterschätzten ihren Gegner zwar nicht, aber im Vertrauen auf das eigene Können und die zuletzt so guten Leistungen glaubte man, das „Kind schon schaukeln zu können“. Auch bei den Stormarner Fans, die immerhin rund ein Viertel der gut 200 Zuschauer ausmachten, herrschte Zuversicht vor.
Zur Halbzeit gab es bei Spielerinnen und Anhang dann aber gleichermaßen lange Gesichter. Der amtierende Deutsche Meister hatte überhaupt nicht zu seinem Spiel gefunden und lag mit 4:7 doch schon recht deutlich im Rückstand. Noch eine solche Halbzeit, das war allen klar, würde den Schützlingen von Trainer Ulli Meyer für das Rückspiel am kommenden Sonntag in der Stormarnhalle kaum noch eine reelle Chance auf eine Titelverteidigung lassen.
Aber zu den Tugenden des jungen Teams gehören gottlob die Fähigkeit, niemals aufzustecken, und das Vermögen, sich gerade in Situationen, in denen es mit dem Rücken zur Wand kämpft, zu konzentrieren und zu steigern. Eine solche Leistungssteigerung war im zweiten Spielabschnitt aber auch nötig, um die am Ende doch nicht ganz zu verhindernde Niederlage mit 8:9 in einem Rahmen zu lassen, der für das Rückspiel noch alle Möglichkeiten offen läßt.
An dem Sieg der Berlinerinnen gibt es nichts zu deuteln. Aufgrund der der großartigen Leistung in der ersten Halbzeit, als die Mannschaft mit ihrem hervorragenden Laufspiel und ihrem hohen Tempo glänzte, geht der Sieg für die Reinickendorfer Füchse in Ordnung. Für den VfL aber bricht mit dieser knappen Niederlage keineswegs eine Welt zusammen. Unabhängig davon, daß die prächtige Truppe ohnehin schon viel mehr erreicht hat, als man von ihr erwarten konnte und durfte, ist sie im Rennen um die Deutsche Meisterschaft noch keineswegs ausgeschieden.
Kann sie am kommenden Sonntag in eigener Halle mit Unterstützung des sicherlich doch zahlreichen Publikums beide Halbzeiten lang die Leistung der zweiten 25 Minuten von Berlin bringen, ist ihr durchaus noch zuzutrauen, den knappen Rückstand wieder wett zu machen und in einen eigenen Vorsprung zu verwandeln.
Über eines ist man sich beim VfL aber im klaren. Ein „Kinderspiel“ oder gar ein „Selbstgänger“ wird das Rückspiel in der Stormarnhalle auf gar keinen Fall. Die Berlinerinnen besitzen ein so homogenes Team, das sich auch in Bad Oldesloe zur Wehr setzen weiß, und es wird ein hartes Stück Arbeit für den VfL geben, wenn der Deutsche Meistertitel an der Trave bleiben soll.
Im Hinspiel in Berlin am Sonntagvormittag dauerte es bis zur sechsten Minute, ehe der erste Treffer fiel. Janina Nasner erzielte ihn für die Berlinerinnen, und Carola Schmalbein ließ diesem Treffer noch in derselben Minute mit einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß das 2:0 folgen. Für den VfL, der bis dahin noch gar nichts Rechtes zuwege gebracht hatte, musste man bei diesem Spielstand schon ernsthaft fürchten, aber als dann Andrea Güldenpfennig und Susanne Paetz innerhalb von zwei Minuten auf 2:2 ausgeglichen hatten, schien doch wieder – aus Sicht des VfL – alles seinen „normalen“ Gang zu gehen.
Auch wenn weiterhin bei den Oldesloerinnen nicht viel zusammenlief, schockte der Treffer zum 3:2 durch Dagmar Zillwich für die Berlinerinnen eigentlich nicht so sehr, aber dann kam es für die Mädchen um Mannschaftsführerin Antje Schütt dann doch ganz schön dick. Zunächst hatte Andrea Güldenpfennig mit einem Wurf an das Lattendreieck Pech, anschließend scheiterte die gleiche Spielerin, die an ihrem 17. Geburtstag nicht sonderlich vom Glück verfolgt war, mit einem Siebenmeter an der ausgezeichneten Berliner Torhüterin Sabine Leideck.
Gerade letzteres traf den VfL doch ziemlich, denn es ist schon eine ganze Weile her, daß man den letzten Strafwurf nicht hatte verwandeln können. Der Reinickendorfer Mannschaftsführerin Petra Edler unterlief in der 13. Minute zwar ein gleiches Mißgeschick – sie traf den Pfosten –, aber ihre Mannschaftskameradin Blanche Schwarz baute bis zur 16. Minute den Vorsprung auf 5:2 aus. Anja Müller, die ansonsten mit ihren Sprungwürfen nicht recht zum Zuge kam, konnte zwar in der gleichen Minute auf 3:5 verkürzen, aber dann schienen dem VfL sämtliche Felle davon zu schwimmen, denn Carola Schmalbein erhöhte mit zwei Treffern, darunter ein verwandelter Siebenmeter, bis zur 20. Minute auf 7:3.
Auffällig dabei war, daß die Berlinerinnen sämtliche Treffer aus der zweiten Reihe erzielten. Sie demonstrierten ein hervorragendes Laufspiel vor der VfL-Deckung und dagegen fanden die Oldesloerinnen, die zu sehr am Kreis „klebten“, obwohl der Gegner auf ein Kreisläuferspiel fast völlig verzichtete, kein geeignetes Gegenmittel.
Im eigenen Angriff gab es dagegen bei den Oldesloerinnen auch weiterhin einigen Leerlauf, weil die Außenpositionen selten besetzt waren und Wurfversuche völlig überhastet (Anja Müller und Antje Schütt) angesetzt wurden. Pech kam noch dazu, denn auch Anja Müller traf nur die Querlatte und nach dem 4:7 durch Antje Schütt war das „Holz“ Andrea Güldenpfennig sogar noch zweimal im Weg.
Trainer Ulli Meyer verzichtete in der Halbzeit zwar darauf, die Deckung seiner Mannschaft von 6:0 auf 5:1 umzustellen – ein probates Mittel gegen Mannschaften, die vorwiegend mit Laufspiel arbeiten –, er gab seinen Spielerinnen aber die Anweisung, die ballführenden Gegnerinnen nun früher anzugreifen, und so bekam der VfL das Spiel in der zweiten Halbzeit besser in den Griff.
Bis allerdings im Ergebnis eine Wende zum Guten für die Stormarnerinnen eintrat, waren noch bange Minuten zu überstehen. Zunächst fielen neun Minuten überhaupt keine Tore und der erste Treffer nach dem Seitenwechsel ging durch Blanche Schwarz, die zuvor schon die Latte getroffen hatte, auf das Konto der Berlinerinnen. Die Torschützin mußte wenig später nach einem Foul dann für zwei Minuten auf die Strafbank, doch auch in Überzahl wollte dem VfL eine Aufholjagd noch nicht gelingen, denn Susanne Paetz und Meike Schäfer scheiterten – frei am Kreis stehend – nacheinander an Carola Graf, die inzwischen Sabine Leideck im Tor der Gastgeberinnen abgelöst hatte.
Erst als Anja Müller dann in der 36. Minute einen Siebenmeter zum 8:5 verwandelte, ging es beim VfL richtig los, obwohl Antje Schütt, der bei der Aktion, die zum Siebenmeter führte, die Luft wegblieb, für einige Minuten pausieren mußte. Anja Bünger vertrat sie vor allem in der Deckung ausgezeichnet und blieb auch im Spiel als Antje Schütt dann wieder eingewechselt wurde.
Andrea Güldenpfennig hatte mit ihren Würfen nun auch mehr Glück. Sie erzielte in der 39. Minute das 8:6 und Antje Schütt, die nun auf der Außenposition agierte, schaffte mit einem herrlichen Treffer in der 44. Minute das 8:7.
Als zwei Minuten später Andrea Güldenpfennig dann sogar mit einem nervenstark abgeschlossenen Tempogegenstoß sogar das 8:8 erzielte, sah es sogar so aus, als könnte der VfL das Spiel noch gewinnen, denn konditionell zeigten sich bei den Reinickendorferinnen nun doch Mängel. Ihr 9:8 Erfolg, den Carola Schmalbein in der 48. Minute mit einem Siebenmeter erzielte, ging dann aber – betrachtet man den gesamten Spielverlauf – wie schon erwähnt, in Ordnung.
Beim VfL waren in Berlin außer den schon genannten Spielerinnen noch Martina Pusch, Andrea Struppek, Wiebke Rickert und Martina Ivens im Einsatz. Die zweite Torhüterin, Kathrin Schäfer, wurde nicht eingesetzt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 2.6.1980
Freitag, 6. Juni 1980
Ein 8:9-Rückstand ist aufzuholen
Es wird sicher schwer, aber der VfL kann es packen
Mehr als 800 Zuschauer wollen am Sonntag die VfL-Mädchen gegen die Reinickendorfer Füchse im Finale unterstützen
(mth). Hält das herrliche Frühlingswetter auch über das Wochenende an, wird das Oldesloer Stadtfest in der neuen Fußgängerzone am Wochenende die Einwohner der Stormarner Kreisstadt ganz gewiß in ihren Bann ziehen. Die Sportfreunde unter ihnen aber, da sind wir genau sicher, werden am Sonntagvormittag das Stadtfest sein lassen und in großer Zahl in die Stormarnhalle „pilgern“, wo die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe zum zweiten Mal innerhalb von einem Jahr nach dem Deutschen Meistertitel greift.
Die Chancen für die Truppe von Trainer Ulli Meyer, den im letzten Jahr errungenen Titel erfolgreich zu verteidigen, stehen dabei nicht schlecht. Das erste Endspiel am letzten Sonntag in Berlin gegen die Reinickendorfer Füchse haben die Stormarner Mädchen zwar mit 8:9 verloren, aber die Chancen, diesen Rückstand vor eigenem Publikum wett zu machen, stehen noch recht günstig.
Leichtes Spiel allerdings werden die Oldesloerinnen gewiß nicht haben, denn die Berlinerinnen machten im Hinspiel deutlich, daß sie über eine homogene und kampfstarke Truppe verfügen, die ihre Haut auch in Bad Oldesloe gewiß teuer verkaufen wird. Im Berliner Hinspiel waren die Reinickendorferinnen insbesondere in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Der VfL, der in dieser Spielphase eine begreifliche Nervosität nicht ablegen konnte, machte dabei den Fehler, das Laufspiel der Berlinerinnen nicht konsequent zu unterbinden, so daß die hervorragenden Werferinnen aus der zweiten Reihe – Blanche Schwarz und Carola Schmalbein – immer wieder in günstige Positionen gebracht wurden.
Im zweiten Spielabschnitt aber hatte sich der VfL dann auf die Berlinerinnen viel besser eingestellt und erlaubte dem Gegner nur noch zwei Treffer – darunter ein verwandelter Siebenmeter. Im Rückspiel in der Stormarnhalle nun wird Trainer Ulli Meyer alles daransetzen, das erfolgreiche Konzept aus dieser zweiten Halbzeit, mit dem seine Schützlinge aus einem 4:7-Rückstand noch ein 8:9 machten, auf das ganze Spiel zu übertragen. Er hat mit seiner Mannschaft in dieser Woche noch zweimal intensiv trainiert und auch neue taktische Varianten, über die er sich öffentlich natürlich nicht verbreitet, ausprobiert.
Personell hat der Coach der Oldesloerinnen für das zweite Finale keinerlei Sorgen. Mit Martina Pusch, Kathrin Schäfer, Susanne Paetz, Wiebke Rickert, Martina Ivens, Anja Müller, Andrea Güldenpfennig, Andrea Struppek, Anja Bünger, Antje Schütt und Meike Schäfer hat er seine Stammformation zur Verfügung, die auch in dieser Saison schon wieder so unglaublich viel geleistet hat und vor der man, unabhängig, ob sie nun erneut Meister wird oder auch nicht, nur den Hut ziehen kann.
Da sich die Mannschaft in den letzten Wochen und Monaten eigentlich immer an guten Gegnern zu steigern wußte, hat sie allen Grund zuversichtlich und mit gesundem Optimismus in die Partie zu gehen. Bauen wird sie dabei ganz gewiß auf lautstarke Unterstützung des Publikums können. Im vergangenen Jahr waren gut 800 Zuschauer zum Endspiel gegen den VfL Pfullingen in der restlos ausverkauften Stormarnhalle, und wir sind uns sicher, daß in diesem Jahr ein gleicher Andrang herrschen wird.
Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr, als für Zuschauer schon eine Stunde vor Spielbeginn nichts mehr ging, läßt es allen Handballfreunden anraten, frühzeitig zur Stormarnhalle aufzubrechen. Die Hallenpforten werden für das Endspiel, das um 10.30 Uhr angepfiffen wird, um 9 Uhr geöffnet und wer nicht „in die Röhre“ gucken will, wird schon dann erscheinen, um sich eine der begehrten Karten zu sichern. Wie bei allen Spielen der VfL-Mädchen in der Vergangenheit werden auch für das Endspiel keine Karten über einen Vorverkauf vertrieben, sondern sind ausschließlich an der Tageskasse zu erwerben.
Wie im letzten Jahr wird das Endspiel auch am Sonntag von einem würdigen Rahmen umgeben. Es haben sich zahlreiche prominente Ehrengäste angesagt und auch das NDR-Fernsehen wird wieder mit einem Team vertreten sein, um am Montag in der regionalen Sportschau (ab 18 Uhr) über das Finale zu berichten.
Im Anschluß an das Spiel gibt die Stadt Bad Oldesloe im Foyer der Stormarnhalle einen Empfang für die beiden Endspielmannschaften. Die Zuschauer, die wie angeraten, rechtzeitig nach Halleneröffnung in der Stormarnhalle sind, brauchen sich im übrigen bis Spielbeginn nicht zu langweilen. Die Handball-Minimädchenmannschaften des VfL Oldesloe und des Rümpeler SV werden nach bewährtem Muster für Kurzweil sorgen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 6.6.1980
Sonntag, 8. Juni 1980
VfL Oldesloe wJA – Reinickendorfer Füchse 11:8 (5:5)
Wieder Deutscher Meister
VfL-Mädchen verteidigen den Titel
(mth). Die Superlative für die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe sind – auch und gerade vom Stormarner Tageblatt – eigentlich schon verbraucht gewesen, aber die prächtige Mannschaft von Trainer Ulli Meyer belehrt einen jedesmal noch eines besseren und ist immer noch zu einer Steigerung fähig. Mit einem grandiosen 11:8-Erfolg über die Reinickendorfer Füchse aus Berlin sicherte sich die Mannschaft um Spielführerin Antje Schütt vor gut 800 Zuschauern (darunter exakt 681 zahlende) erneut den Deutschen Meistertitel.
Mit einer kämpferischen Leistung, die ihres gleichen sucht, bog die Oldesloer Mannschaft das Spiel noch um. Die Berlinerinnen konnten ihren Vorsprung zwar noch auf 5:2 schrauben, sie führten damit mit vier Toren Vorsprung, aber dann begann die „Dampfwalze“ der Oldesloer Mädchen zu rollen und es gab einfach kein Halten mehr. Sieben Tore warfen die Oldesloerinnen nun hintereinander und gegen eine Reinickendorfer Mannschaft, die dann nichts mehr zuzusetzen hatte, wurde der erneute Gewinn der Deutschen Meisterschaft sicher nach Hause geschaukelt.
In der Stormarnhalle spielten sich nach dem Spiel unbeschreibliche Jubelszenen ab. Die Zuschauer, die schon in der zweiten Halbzeit, als der VfL eine geradezu unwahrscheinliche Aufholjagd begonnen hatte, zu für Oldesloer Verhältnisse außergewöhnlichen Anfeuerungs-Arien übergegangen waren, „flippten“ nach dem Schlußpfiff der insgesamt ausgezeichneten Unparteiischen Burmeister (Lemgo) und Heger (Hildesheim) schier aus, und ließen die Siegerehrung, die der Präsident des Deutschen Handballbundes, Bernhard Thiele, persönlich vornahm, in einem Jubel-Orkan schier untergehen.
Thiele, der die tolle Leistung der VfL-Mädchen gebührend würdigte, fand aber, verdientermaßen, auch anerkennende Worte für die Berliner Mädchen. Und in der Tat: Wie im letzten Jahr der VfL Pfullingen waren auch die Reinickendorfer Füchse ein überaus würdiger Vizemeister und Endspielpartner, der mit ein wenig Glück das bessere Ende auch für sich hätte haben können.
Aber nun zum hochdramatischen Spielverlauf: Wie im vergangenen Jahr zum Endspiel war der Andrang in der Stormarnhalle schon frühzeitig riesengroß. Zum Spielbeginn um 10.30 Uhr war die Halle wieder bis zum Bersten gefüllt und die Erwartungen der Oldesloer Fans waren hoch. Die Kunde vom ersten Endspiel in Berlin, wo der VfL nach weniger guter Leistung in der ersten Halbzeit sich im zweiten Durchgang eine glänzende Ausgangsposition für das Spiel vor eigener Kulisse erspielt hatte, hatte die Erwartungen in Richtung einer erfolgreichen Titelverteidigung gestellt.
Augenzeugen des Berliner Spiels war zwar klar gewesen, daß den Oldesloer Mädchen ein harter Strauß ins Haus stehen würde, aber letztendlich, so glaubte man, würde es schon langen.
Wie in Berlin aber waren die Reinickendorfer Mädchen zunächst die spielbestimmende Mannschaft. Die sehr konsequenten Schiedsrichter gaben ihnen schon in den ersten sechzig Sekunden einen Siebenmeter, den Mannschaftsführerin Petra Edler gegen Martina Pusch sicher verwandelte.
Auf der Gegenseite bekam aber auch der VfL schon in der zweiten Minute einen Siebenmeter zugesprochen. den Andrea Struppek nicht minder sicher im Tor unterbrachte. Anders aber als bei den Gästen wirkte der frühe Treffer bei den Oldesloer Mädchen nicht nervenberuhigend. Während die Berlinerinnen sich in ihrem Kombinationsspiel auch dadurch nicht beirren ließen, daß der VfL mit einer 5:1-Deckungsformation operierte – Andrea Güldenpfennig spielte vor der eigenen Abwehrreihe –, war bei den Stormarnerinnen doch reichlich „Sand im Getriebe“.
So wollte es beispielsweise mit einem Kombinationsspiel überhaupt nicht recht klappen, und auch von einem merklichen Druck auf das Berliner Tor war gegen die massive und aufmerksame Deckung der Reinickendorferinnen nichts zu merken. Als nach einem Lattenwurf von Blanche Schwarz VfL-Mannschaftsführerin Antje Schütt in der fünften Minute nach einem Foulspiel das Feld für zwei Minuten räumen mußte, bekamen die Gäste endgültig für den ersten Spielabschnitt Oberwasser.
Erneut Petra Edler erzielte in der sechsten Minute das 2:1 für ihre Mannschaft, und die gleiche Spielerin war es auch, die an der achten Minute, als Antje Schütt schon wieder mit von der Partie war, auf 3:1 erhöhte. Eine Minute später konnte Andrea Güldenpfennig nach einem Freistoßtrick zwar auf 2:3 verkürzen, aber dieser Treffer beendete auch schon den Torreigen für den VfL in den ersten 25 Minuten.
Treffer blieben überhaupt bis zur Halbzeit ausgesprochene Mangelware. Auch die Berlinerinnen, die zweifellos die dominierende Mannschaft stellten, konnten Martina Pusch, die im Oldesloer Tor mit zunehmender Spieldauer immer besser wurde, nur noch ein einziges Mal überwinden. Carola Schmalbein besorgte dieses in der 14. Minute mit einem Siebenmeter. Beim VfL dagegen wollte und wollte es einfach nicht laufen. Ballverluste durch unüberlegte Abspiele und überhastete Würfe häuften sich und Anja Müller, deren gute Form aus den letzten Wochen bei allem Einsatz wie weggeblasen schien, setzte in der 14. Minute sogar einen Siebenmeter neben das Tor.
Ohne Zweifel hatten die Berlinerinnen bis zum Seitenwechsel deutlicher als mit nur zwei Toren Vorsprung führen können. Wenn es für den VfL nicht noch bitterer kam, so lag das, wie schon erwähnt, hauptsächlich an der glänzend disponierten Martina Pusch, die sich von der Nervosität ihrer Mitspielerinnen nie anstecken ließ. Den anderen Oldesloer Mädchen konnte man bis zur Pause lediglich das Kompliment machen, bei allem spielerischen Leerlauf nie den kämpferischen Einsatz vermissen zu lassen.
Zu mehr schien die Mannschaft an diesem Tag einfach nicht in der Lage zu sein, und man mußte für den zweiten Spielabschnitt eigentlich schon Schlimmes befürchten. Ein wenig hoffnungsfroh konnte einen lediglich stimmen, dass die Berlinerinnen in der ersten Halbzeit ganz offensichtlich kräftemäßig ein wenig über Ihre Verhältnisse gelebt hatten. Einige Berlinerinnen machten schon beim Gang zur Halbzeltpause einen derart erschöpften Eindruck. so daß eigentlich zu erwarten war, sie könnten, wie beim Hinspiel, ihr höllisches Tempo nicht durchstehen.
Und genau diese Erwartung traf dann in der zweiten Halbzeit ein. Den ersten Angriff der Reinickendorferinnen, die Anwurf hatten, konnte Blanche Schwarz zwar noch zum 5:2 erfolgreich abschließen, aber dann spielte eigentlich nur noch eine Mannschaft, und das war der VfL.
Zur entscheidenden Figur in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel, die den Umschwung einleitete, wurde dabei Antje Schütt. Die VfL-Mannschaftsführerin, die in der ersten Halbzeit auch kaum „ein Bein an die Erde“ bekommen hatte, verkürzte mit zwei herrlichen Toren innerhalb von 60 Sekunden auf 4:5, und Antje Schütt war es auch, die nachdem Anja Müller mit einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß in der 29. Minute den Ausgleich besorgt hatte, ihre Mannschaft in der 33. Minute erstmals mit 6:5 in Führung brachte.
Mit diesem Spielstand hatte der VfL erstmals in Zusammenrechnung beider Spiele „die Nase vorn“, und es wäre nun an den Berlinerinnen gewesen, wieder die Initiative zu ergreifen. Aber der VfL-Express ließ sich, nun einmal in Bewegung gekommen, nicht mehr stoppen.
Was Antje Schütt eingeleitet hatte, wurde nun in der Hauptsache von Andrea Güldenpfennig fortgesetzt. Ein Augenschmaus war ihr Tempogegenstoß zum 7:5 in der 37. Minute, und als dann Anja Müller in der 40. Minute und noch einmal Andrea Güldenpfennig in der 42. Minute den Vorsprung auf 9:5 ausgebaut halten, war das Spiel eigentlich gelaufen.
Die Gäste aus Berlin ließen erste Anzeichen von Resignation erkennen und die nötige Kraft, das Steuer gegen eine nun wie entfesselt aufspielende VfL-Mannschaft noch einmal herumzudrehen, hatten sie ohnehin nicht mehr. Aufgeben allerdings wollten sich die Reinickendorfer Füchse, obwohl sie nach sicherer Führung sieben Tore hintereinander hatten schlucken müssen, noch lange nicht.
Ihre Chance sahen sie dann noch einmal gekommen, als Antje Schütt in der 43. Minute einen Tempogegenstoß unsanft beendete und erneut für zwei Minuten auf der Bank Platz nehmen mußte. Carola Schmalbein verwandelte den Siebenmeter, der ebenfalls aus dieser Situation resultierte, zum 6:9 und mit einem weiteren Treffer von Petra Edler in der 46. Minute war der Vorsprung für den VfL mit 9:7 wieder bedrohlich geschmolzen.
Wieder komplett aber ließ sich der VfL dann nicht mehr beeindrucken. Andrea Güldenpfennig langte innerhalb von zwei Minuten zwischen der 47. und 49. Minute noch zweimal zu, und der letzte Treffer von Kathlen Lippke Sekunden vor dem Abpfiff zum 11:8 Endstand ging schon in den Siegesgesängen der VfL-Fans unter.
Mit einer unglaublichen Energieleistung hatten die Oldesloer Mädchen damit ihren Deutschen Meistertitel erfolgreich verteidigt. Nach dem wenig berauschenden Beginn hatte die Mannschaft wieder einmal alle ihre Tugenden an den Tag gelegt. So sicher es ist, daß die Reinickendorfer Füchse ein würdiger Vizemeister waren, der den Titel auch verdient gehabt hätte, so sicher ist auch, daß sich der VfL die erneute Deutsche Meisterschaft redlich verdient hat.
Müßig ist es dabei, nach dem Erfolg in der Mannschaft nun nach „Schuldigen“ zu suchen. Gewiß: Im Endspiel hatten Martina Pusch, Andrea Güldenpfennig und Antje Schütt besonders viele „Aktien“ im Spiel, aber Deutsche Meister werden schließlich nicht in einem Spiel, sondern in einer ganzen Saison „gemacht“. Und das diese Saison so erfolgreich verlief, daran haben auch alle anderen acht Spielerinnen ihren gebührenden Anteil.
Ob nun Kathrin Schäfer, Martina Ivens und Anja Bünger, die im Endspiel in der Stormarnhalle das gewiß harte Los traf, die ganze Zeit auf der Auswechselbank bleiben zu müssen, oder Anja Müller, Andrea Struppek, Wiebke Rickert, Susanne Paetz und Meike Schäfer, alle haben stets ihr bestes gegeben und die Mannschaft mitgeprägt.
So würdig der sportliche Ablauf des Endspiels für eine Deutsche Meisterschaft war, so würdig war auch der Rahmen, der das Spiel umgab. Von den insgesamt 800 Zuschauern, die in der zweiten Halbzeit die Stormarnhalle in einen Hexenkessel verwandelten, war schon die Rede, dazu hatte sich zahlreiche Prominenz eingefunden, um den besten deutschen Handballmädchen die Referenz zu erweisen.
Neben DHB-Präsident Bernhard Thiele waren dieses u.a. Kreispräsident Hubert Priemel, Bürgermeister Gottfried Baethge und nicht zuletzt der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Kurt Würzbach, der beim alten und neuen Deutschen Meister nach der Siegerehrung für eine freudige Überraschung sorgte, als er die Mannschaft für den Herbst für vier Tage nach Bonn einlud.
Bevor die Mannschaft nach dem Spiel bei einer zünftigen Feier – sie war stundenlang Mittelpunkt beim ersten Oldesloer Stadtfest – sich von den Strapazen erholte, gab unmittelbar nach dem Schlußpfiff die Stadt Bad Oldesloe im Foyer der Stormarnhalle einen Empfang für beide Endspielmannschaften, bei dem viele lobende Worte für das dramatische Geschehen gefunden wurden.
STORMARNER TAGEBLATT vom 9.6.1980
Montag, 9. Juni 1980
… Alle Fans, die das Spiel gestern versäumt haben, können heute ab 18 Uhr in der Sportschau der Nordschau im ersten Fernsehprogramm Ausschnitte aus dem Spiel sehen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 9.6.1980
Montag, 9. Juni 1980
Kampfgeist und Harmonie
Tugenden der VfL-Mädchen
(mth). Deutscher Meister 1979, Deutscher Meister 1980! Was die weibliche Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe mit dem gestrigen Sieg in der Stormarnhalle erreicht hat, ist im Sport zwar keine einmalige Angelegenheit, eine Rarität aber bleibt die Sache, die kaum hoch genug einzuschätzen ist. Erfolgreiche Titelverteidigungen gibt es im Seniorenbereich ziemlich häufig, im Jugendbereich – und noch dazu in einer Mannschaftssportart – sind sie, zumindest auf nationaler Ebene, eine Seltenheit.
Wegen der Altersgrenzen ist die Fluktuation in solchen Mannschaften aus ganz natürlichen Gründen besonders hoch und auch, daß die besten und routiniertesten Kräfte die Mannschaft verlassen, ist eher die Regel als die Ausnahme. Bei den Oldesloer Handballmädchen war dieses nicht anders. Mit Christiane Buck, Renate Warncke, Andrea Hasenberg und Jeanette Müller schieden im letzten Jahr nach dem grandiosen Triumpf über den VfL Pfullingen nicht weniger als vier Stammspielerinnen aus Altersgründen aus der Truppe von Trainer Ulli Meyer aus. Hinzu kam noch der freiwillige Verzicht von der letztjährigen Meistertorhüterin Gudrun Noack.
Durch diesen Aderlaß geschwächt, waren die Aussichten auf ein erfolgreiches Abschneiden in diesem Jahr eigentlich für die Oldesloer Mädchen gewiß nicht rosig. Sicher, mit einem Platz im vorderen Drittel in der schleswig-holsteinischen Oberliga hatte man schon spekuliert, aber schon die erfolgreiche Verteidigung des Landesmeistertitels war für viele Eingeweihte eine angenehme Überraschung.
Möglich wurde dieses, weil die Truppe sehr schnell unter den Fittichen von Ulli Meyer zu einer Einheit zusammenwuchs, deren kämpferische Qualitäten die ihrer Vorgängerin wenn möglich sogar noch übertraf. Aber damit war die Truppe noch lange nicht am Ziel ihrer Möglichkeiten. Im Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft gegen den Hamburger Vertreter TuS Alstertal, als man die Mannschaft noch einem nur knappen Hinspielsieg eigentlich schon abgeschrieben hatte, ließen die jungen Oldesloer Mädchen dann erstmals erahnen, daß ihnen sogar eine erfolgreiche Verteidigung des Deutschen Meistertitels zuzutrauen war. Im Nachhinein betrachtet war der 19:16-Erfolg in der Hansestadt vielleicht die beste Leistung, die die VfL-Mädchen im ganzen Jahr gebracht haben.
Die Mannschaft strotzte nach diesem Sieg nur so vor Selbstvertrauen und dieses Selbstvertrauen half ihnen in den Endspielrunden um die Deutsche Meisterschaft, auch über schwächere Perioden schadlos hinwegzukommen. Insbesondere wurde diese Eigenschaft, gepaart mit der Fähigkeit bis zur Erschöpfung zu kämpfen und niemals aufzustecken, in den beiden Endspielen gegen die Reinickendorfer Füchse deutlich.
Die Verdienste von Trainer Ulli Meyer an dieser Entwicklung sind gar nicht zu überschätzen. Der Coach, dem für seine Mädchen kein Weg zu weit und keine Mühe zu viel ist, hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Mit Manfred Fandrey stand ihm dabei ein Helfer zur Verfügung, dessen Hauptverdienst es Ist, daß Ulli Meyer sich im wesentlichen auf die spielerischen Belange konzentrieren konnte – alles Organisatorische nahm ihm der „Manager“ aus den Händen.
Aber nun zu den Hauptpersonen, den Spielerinnen im einzelnen: Im Tor standen dem Trainer mit Martina Pusch und Kathrin Schäfer gleich zwei überdurchschnittliche Kräfte zur Verfügung. Ein wenig unglücklich verlief dabei die Saison für Kathrin Schäfer, die ursprünglich als Nr. 1 vorgesehen war, im Lauf der Saison dann aber von einer immer stärker werdenden Martina Pusch, für die das Wort „Nerven“ ein Fremdwort ist, verdrängt wurde. Daß Kathrin aber keineswegs wegen fehlender Leistungsfähigkeit zurückstehen mußte, zeigte sie im Halbfinalspiel in Oberlahnstein mehr als deutlich.
Von den Feldspielerinnen muß Andrea Güldenpfennig unbedingt an erster Stelle genannt werden. Sie gehörte schon in der letztjährigen Mannschaft zu den Leistungsträgerinnen, und hat sich in den letzten zwölf Monaten zur Wohl besten deutschen Handballnachwuchsspielerin entwickelt. Wir jedenfalls, die wir alle deutschen Spitzenmannschaften gesehen haben, sind dabei auf kein größeres Talent gestoßen.
Aber so sehr der VfL der vielen Tore von Andrea natürlich bedurfte, ein „VfL-Güldenpfennig“ ist aus der Mannschaft deshalb nie geworden. Anja Müller mit ihrem druckvollen Angriffsspiel und ihrer aggressiven Abwehrarbeit, Antje Schütt, die als Abwehrorganisatorin und Mannschaftsführerin ein Riesenpensum leistete, und die immer zuverlässige Andrea Struppek mit ihrer Pfiffigkeit so etwas wie der gute Geist der Mannschaft, waren weitere Eckpfeiler für den Erfolg.
Wiebke Rickert, die kleine drahtige Kreisläuferin, und Susanne Paetz, die schon Im letzten Jahr zum Kader der Mannschaft gehörte, damals aber noch selten zum Einsatz kam, runden die Stammformation ab. In eben diese Stammformation hat sich in den letzten Monaten und Wochen auch Meike Schäfer, Linkshänderin wie Susanne Paetz, mehr und mehr hereingespielt, ihr fehlt eigentlich nur noch ein Schuß Selbstvertrauen, um groß herauszukommen, aber sie hat ja schließlich noch zwei weitere Jahre Zeit, um in der A-Jugend zu reifen.
Ein „Wechsel auf die Zukunft“ schließlich ist auch Anja Bünger, das Küken der Mannschaft. Lernt sie es noch, ihre gewaltigen Würfe besser zu kontrollieren, wird man beim VfL sicher noch hei Freude an ihr haben. Auf den endgültigen Durchbruch schließlich wartet auch noch Martina Ivens, die technisch und tempomäßig schon jetzt zu den Besten zählt, gelegentlich aber noch etwas Übersicht und Temperament vermissen läßt.
Mit Kathrin Schäfer, Anja Müller und Antje Schütt scheiden nach dem erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft drei Spielerinnen aus Altersgründen aus der Mannschaft aus. Wie wir die prächtige Truppe aber kennen, dürfen wir von der weiblichen Handball-A-Jugend des VfL Oldesloe auch in Zukunft viele schöne und spannende Spiele erwarten. Es müssen ja nicht in jedem Jahr Meistertitel „en gros“ sein.
STORMARNER TAGEBLATT vom 9.6.1980
Freitag, 13. Juni 1980
Briefe an die Redaktion
PKW auf dem Siegerfoto
Wie kommt der PKW auf das Foto? Diese Frage haben sich sicher eine große Zahl Leser des Stormarner Tageblatt gestellt, die das Siegerfoto der erfolgreichen VfL-Handballerinnen nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft betrachtet haben. Wer allerdings auf dem Foto kein Fahrzeug entdeckt hat, dem sei gesagt, bei dem PKW handelt es sich um den smarten Herren, der neben Bürgermeister Baethge so freundlich nach rechts schaut. Sein Blick ruht keineswegs auf die erfolgreichen jungen Damen.
Aber wie kommt er denn auf das Foto? Ist eventuell eine der Damen seine Tochter, Nichte oder Cousine? Nein, diese Frage kann verneint werden. PKW hat flugs, das ist des Rätsels Lösung, den erfolgreichen Handballerinnen eine bildungspolitische Reise nach Bonn versprochen. PKW kann das, das steht außer Zweifel. Derartige Reisen kann jeder Bundestagsabgeordnete mindestens einmal im Jahr arrangieren. Die Reisen, die der Steuerzahler bezahlt, sollen dem politischen Verständnis der Bürger für die Probleme eines Abgeordneten und seiner Aufgabe dienen.
PKW meinte, auch die erfolgreichen VfL-Damen sollten einmal erleben, wie er in Bonn agiert. Einem so großzügigen Abgeordneten kann man doch nicht verwehren, noch schnell auf das Siegerfoto zu springen. Also kam PKW auf das Foto. Nach all den Enttäuschungen der letzten Wahlausgänge, war es sicher gut, einmal wieder unter Siegern zu sein. Sie fragen, wer PKW ist? Es handelt sich um: Peter Kurt Würzbach.
Wenn sie immer noch nicht wissen, wer PKW ist, fragen sie ihren Nachbarn. Sollte auch der PKW nicht kennen, dann ist er wohl wirklich nicht so bekannt, daß er auf das Siegerfoto gehört. Hans-Jürgen Schepler, Ammersbek 2.
STORMARNER TAGEBLATT vom 13.6.1980
Dienstag, 24. Juni 1980
Große Reise als Belohnung
Die VfL-Mädchen weilten in Süddeutschland
(st). Der frischgebackene alte und neue Deutsche Meister der weiblichen Handball-A-Jugend, der VfL Oldesloe, unternahm kurz nach dem Titelgewinn eine fünftägige Reise nach Süddeutschland. die als Abschlußreise und Belohnung für das erfolgreiche Team in alter Besetzung vorgesehen war.
Leider aber hatten nicht alle Meisterspielerinnen die Reise mitmachen können. So fehlte unter anderem mit der verletzten Anja Müller eine der drei Spielerinnen, die im nächsten Jahr nicht mehr mit von der Partie sind, weil sie aus Altersgründen in die Damenmannschaft überwechseln müssen.
Mit dabei waren aber Antje Schütt und Kathrin Schäfer, die dann auch beim ersten sportlichen Wettkampf, einem Freundschaftsspiel gegen die Damenmannschaft des befreundeten TSV Schmieden-Stuttgart, herausragende Rollen spielten. Mit sechs Toren (Antje Schütt) und herrlichen Torwartparaden (Kathrin Schäfer) hatten sie entscheidenden Anteil am 18:15-Erfolg der Oldesloer Mädchen.
Hauptziel der Reise aber war das schwäbische Pfullingen. wo man sich an einem Turnier des letztjährigen Endspielgegners VfL Pfullingen beteiligte. In der Vorrunde dieses Turniers spielten die Stormarnerinnen mit ihren Gegnern Katz und Maus. TV Altenstadt und TV Spaichingen wurden jeweils mit 13:1 besiegt, gegen TV Bitz legte man sogar noch einen Treffer mehr zu und gewann mit 14:1. Ohne Problem verlief auch das Zwischenrundspiel gegen den KSV Unterelchingen, das der VfL mit 9:1 für sich entschied.
Spannender ging es dann schon im Halbfinale zu, in dem es zu einer Neuauflage des letztjährigen Endspiels gegen den VfL Pfullingen kam. Nach spannendem Kampf siegten die Schützlinge von Trainer Ulli Meyer schließlich mit 5:4. Noch dramatischer ging es dann im Endspiel des Turniers zu. 6:6 lautete nach Ende der regulären Spielzeit der Spielstand zwischen dem VfL und SSV Talheim. In der notwendig gewordenen Verlängerung gewannen die Talheimerinnen dann knapp mit 8:9.
Die sportlichen Begegnungen waren aber nur ein Teil der Reise. Ein großes Rahmenprogramm, unter anderem die Teilnahme am Altstadtfest in Waiblingen, eine Rundfahrt durch Stuttgart und Umgebung und die herzliche Aufnahme bei beiden Gastgebern, machten die Fahrt zu einem großen Erlebnis für alte Teilnehmer. Für das Pfullinger Turnier im nächsten Jahr wurde die VfL-Mannschaft im übrigen spontan schon jetzt wieder eingeladen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.6.1980
Mittwoch, 2. Juli 1980
Festball zu Ehren der Handballmädchen
(js). Mit einem großen Festball in der Oldesloer Festhalle in der Grabauer Straße wird am kommenden Sonnabend, dem 5. Juli, ab 20 Uhr der neue und alte Deutsche Meister der weiblichen Handball A-Jugend, der VfL Bad Oldesloe, geehrt. Zu dem Ball, zu dem alle Oldesloer eingeladen sind, haben sich zahlreiche Prominente angesagt. Außerdem wird eine bekannte Tanzkapelle spielen. Der Eintritt zu der Veranstaltung kostet zehn Mark, um vorherige Anmeldung bei Ulli Meyer wird gebeten.
STORMARNER TAGEBLATT vom 2.7.1980
Sonnabend, 5. Juli 1980
Die Nacht der VfL-Handballmädchen
Stadt ehrte deutsche Meister mit großem Festball
(js). Wieder einmal standen die Handballmädchen des VfL Oldesloe ganz im Mittelpunkt des Geschehens. Diesmal allerdings nicht in sportlicher, sondern in gesellschaftlicher Hinsicht.
Im Rahmen eines großen Festballes, der eigens für den nunmehr zweifachen Deutschen Meister der weiblichen Handball A-Jugend veranstaltet wurde, ehrte die Stadt Bad Oldesloe die Mädchen um Trainer Ulli Meyer.
In einer kurzen Ansprache hob Bürgerworthalter Dieter Achterberg noch einmal die großartige Leistung der Spielerinnen hervor. Das Stadtfest und die Erringung des zweiten Meistertitels, was beides auf einen Tag fiel, sei von der Bevölkerung in einmaliger Weise gefeiert worden, betonte Dieter Achterberg.
Im Anschluß daran überreichte er der Mannschaftsführerin Antje Schütt einen Gutschein für Trikots. Einen weiteren Scheck für seine Mannschaft konnte Trainer Ulli Meyer entgegen nehmen. Nicht in der Ehrung teilnehmen konnte die Torhüterin des Deutschen Meisters, Kathrin Schäfer. Sie liegt zur Zeit mit einer Beinverletzung (Bänderriß) im Krankenhaus.
Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Handballmädchen und ihre Fans in der Festhalle. Zwischendurch gab es um Mitternacht noch ein besonderes Ereignis: Die beiden Spielerinnen Antje Schütt und Anja Müller wurden 18 Jahre alt und müssen jetzt aus der A-Jugend ausscheiden.
STORMARNER TAGEBLATT vom 9.7.1980
